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zurück zur Übersicht Donnerstags, 19.00 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 411 Nächstes Treffen: 01.07.2010: Deutschland ist jetzt Schwarz-Rot-Lena! (Bild.de) Der natürlich gänzlich unpolitische Sonntagspatriotismus Von Lenas Gesangskünsten
kann man ja halten was man will.
Offensichtlich geht es darum aber auch gar nicht. „Unsere Lena“ hat
gewonnen,
Deutschland hat gesiegt und das wird von den Deutschen ausgiebig
gefeiert. Die
Nation ist im „Lena-Fieber“, überall feiern schwarz-rot-gold beflaggte
Menschen
Siegespartys und liegen sich begeistert in den Armen. Und am nächsten
Tag
bereiten – von der ARD live übertragen – tausende ausgerastete Fans in
Hannover
Lena einen überschwänglichen Empfang. Auch die Politik lässt sich nicht
lumpen:
Ministerpräsident Wulff holt Lena vom Flieger ab, die Kanzlerin hat
Grüße
aufgetragen und das Bundesverdienstkreuz ist auch gleich im Gespräch. So
unpolitisch dieser Partypatriotismus erst mal daherkommt – wirft er
doch die Frage auf, ob er tatsächlich so unpolitisch und harmlos ist.
Und auch
weitere Fragen nach den Ursachen und Folgen dieses Gefühlsausbruches:
PS:
Die nächste nationale
Feierlichkeit findet mit der Fußball-WM gerade
statt. Der „Bild“-Reporter bei Lenas Ankunft in Hannover hat es
mitbekommen: „Hier
herrscht Fußball-Atmosphäre. Die Leute haben Deutschland-Trikots an und
halten
Plakate mit der Aufschrift ,Lena, du bist geil!' hoch.“
zurück zur Übersicht Montag, 21.06.20010, 18.00 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 202 Die
Eurokrise
- wenn Staaten ihren Kredit verlieren...
Über das Zusammenwirken und den Gegensatz von politischer Macht und Finanzkapital. Die Finanzkrise geht in die nächste Runde
und ruiniert
Instanzen, die bisher als mächtige Retter der Banken und der Konjunktur
aufgetreten
sind: Souveräne Staaten und Währungen verlieren ihren Kredit. – Als
erster
Euro-Staat hat Griechenland seinen Kredit verloren; als nächste sind
Portugal,
Irland und Spanien ins Visier des Finanzkapitals gekommen, und auch der
Kredit
des G 7/8-Mitglieds Italien ist längst in Zweifel gezogen. Schon wieder
erschüttert ein Akt der Spekulation die Welt und liefert einiges zur
Aufklärung
über die kapitalistische Welt: über das moderne Geld, über die
Grundlagen der
Finanzmacht der Staaten, über den inneren Imperialismus in der
Europäischen Union
und über die waghalsige Konstruktion einer gemeinsamen europäischen
Weltwährung
für 16 Nationen, die sich im Maastricht-Vertrag auf Konkurrenz
gegeneinander verpflichtet
und Finanzhilfen („Bail-out“) zur Abwendung drohender Staatspleiten
ausdrücklich ausgeschlossen haben. Und was
bekommt das deutsche Publikum zu den dramatischen Vorgängen von
Regierung und Medien
mitgeteilt? Nichts als Unsinn und nationalistische Angeberei! „Die Griechen
(Portugiesen, Iren, Spanier, Italiener …) sind selber schuld!“, heißt
es; sie
hätten über ihre Verhältnisse gelebt; zu viel importiert und
konsumiert, zu
wenig gearbeitet und exportiert. Zu einer Außenhandelsbilanz aber
gehören zwei
Seiten! Der deutsche Export-Europameister erzielt Überschüsse im
europäischen
Handel haargenau in dem Maß, wie andere Länder – von überlegener
Kapitalmacht
und mit Kampfpreisen niederkonkurriert – Defizite ansammeln. Die
griechische
Pleite und der Zweifel an der Kreditwürdigkeit anderer Euro-Länder mit
Importüberschuss ist das Spiegelbildes deutschen Erfolgs. Der
EU-Binnenmarkt
ist kein Kooperationsprojekt zur gegenseitigen Unterstützung
befreundeter
Völker, sondern ein Kampfplatz der Nationen, auf dem jede die Partner
für ihr
Kapitalwachstum ausnutzen will. Den Siegern stehen daher notwendig
Verlierer
gegenüber. „Die Griechen
können ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen! – Die anderen bald auch
nicht
mehr, wenn sie so weitermachen!“, lautet der Vorwurf. Als ob das
irgendein
anderer Staat innerhalb oder außerhalb der EU könnte. Alle tilgen sie
Schulden,
indem sie neue machen. Und stets machen sie mehr neue Schulden als sie
alte
tilgen. Die Not Griechenlands besteht darin, dass es für neue
Staatsschulden
keine Käufer mehr findet, und der Schaden der anderen resultiert
daraus, dass
die Zinsdifferenz, die sie im Vergleich zu Deutschland für neue
Anleihen
bezahlen müssen, immer größer wird undso immer größere Teile ihrer
Staatshaushalte für den Schuldendienst draufgehen. Finanzkapitalisten
halten
diese Staaten nicht mehr für sichere Zinsmaschinen – und entmachten sie
dadurch,
dass sie ihnen die Platzierung von Staatsanleihen immer teurer machen. „Die
überschuldeten Staaten müssen ihre Probleme selbst lösen; ihre Schulden
sind
nicht unsere!“ – Unsinn! Längst beschädigt der drohende Bankrott
Griechenlands
und die von den Ratingagenturen herabgestufte Kreditwürdigkeit anderer
Euro-Staaten
den Euro. Die Schulden Griechenlands, Spaniens usw. einerseits und die
Deutschlands lassen sich eben nicht mehr ganz trennen, wenn sie in
derselben
Währung anfallen. Die europäischen Partner fragen sich nur noch, ob
sieden Euro
mehr schädigen, wenn sie Staatsbankrotte in der Gemeinschafts-Währung
zulassen
oder wenn sie sie durch neue Milliarden-Bürgschaften abwenden. So oder
so
demonstrieren die „Unfähigkeit“ Griechenlands und die zunehmenden
Schwierigkeiten
einer Reihe anderer Euro-Staaten, Schulden zu tragbaren Zinsen am Markt
unterzubringen, ein Misstrauender globalen Finanzkapitalisten gegen
Europa und
sein Geld. „Wenn wir
Griechenland doch helfen, dann nur unter strengen Sparauflagen und
voller
Kontrolle des Staatshaushalts!“ (Merkel) Die Kanzlerin führt sich auf
wie die Herrin
im Haus Europa: „Wir“ sind als Geldgeber gefragt, „wir“ haben die
Mittel, also
diktieren „wir“ auch die Bedingungen! Sie will die Krise, von der sie
noch gar
nicht weiß, wie viel die von der deutschen Kreditmacht übrig lässt, als
Gelegenheit
nutzen, die Unterordnung der Partner unter deutsche (Finanz-)Aufsicht
voranzutreiben und ihnen ihre Souveränität abzukaufen.
Für die Griechen und die anderen Euro-Staaten im
Visier der „Spekulanten“ ist geboten: Sie müssen hart sparen, also noch
viel
ärmer werden, als sie ohnehin schon sind, um ihre Staatsausgaben ihrer
„impotenten“ Wirtschaft anzupassen. Das braucht „unser“ harter Euro. Bei all den
imperialistischen Dummheiten und Frechheiten istes höchste Zeit, dass
man sich
die neue politökonomischeWeltlage erklärt, damit man sich nicht für
„Sanierungs“programme vereinnahmen lässt. Vortrag und Diskussion mit Theo Wentzke (Redakteur GEGENSTANDPUNKT) zurück zur Übersicht Montag, , 26.04.20010, 18.00 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 202 Anmerkungen zu Griechenlands StaatsbankrottWie sich Griechenland in den Bankrott gewirtschaftet hat, ist für den öffentlichen Sachverstand keine Frage: „Über seine Verhältnisse gelebt“ hat das Land, der Staat und all seine Bevölkerung: 'Korruption, keine Steuermoral, überbezahlte überflüssige Staatsbedienstete, und den europäischen Aufsehern seine wahren Bilanzen verheimlicht! Mitten in Europa gegen alle guten Sitten der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion verstoßen! Klar, dass das nicht gutgehen konnte – und jetzt die soliden europäischen Nationen, ‚uns‘ und ‚unseren Euro bedroht!‘ So ungefähr soll man sich das vorstellen. Ein ungerechtes Urteil. Niemand hat sich ja im Bezug auf Griechenland wirklich etwas vorgemacht, das Land gehört außerdem seit nicht wenigen Jahren wie alle anderen zur europäischen Union – und anders gewirtschaftet haben die anderen Nationen schon gleich nicht. Dem Land ist nur – was seine nationale Bilanz angeht – seine Mitgliedschaft nicht zum Guten geraten. Im weiteren aber deckt seine ökonomische Notlage die Krisenlage der gesamten Euro-Staatengemeinschaft auf; und damit auch den Widerspruch des Euro: Da wirtschaften konkurrierende Staaten auf nationale Rechnung in einem gemeinsamen Geld. Insofern ist Griechenlands aktuelle Pleite auch ein Offenbarungseid in Sachen Fortschritt Europas. Deswegen haben dessen Hauptakteure auch alle Hände voll zu tun, den drohenden Bankrott als Sonderfall Griechenland zu behandeln, durch ein europäisch verordnetes Haushaltsregime einzudämmen – um finanzkapitalistisches Vertrauen in den Euro insgesamt zu stiften. Der griechische Staat soll sich durch Verelendung wieder kreditwürdig machen. Ein schöner Auftrag. Vortrag und Diskussion mit Theo Wentzke (Redakteur GEGENSTANDPUNKT)zurück zur Übersicht Mittowch, 27.01.20010, 18.00 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 202 Arbeit lohnt sich! Aber für wen? Arbeit gegen Geld –
das Kommando des Kapitals über die Arbeitskraft, seine
gewerkschaftliche
Mitgestaltung und seine sozialstaatliche Regelung Um den Lohn haben die, die von ihm leben müssen, einmal gekämpft, um von ihm leben zu können. Das – so lehrte sie die tägliche Erfahrung ihrer ruinösen Lohnarbeit – muss ihren Anwendern, die mit ihrem Lohn als Kost in ihrer Gewinnrechnung kalkulieren, abgerungen werden. Also verweigerten sie spontan oder auch schon gewerkschaftlich organisiert die Bereitschaft, zu den gegebenen Bedingungen weiterzuarbeiten, um unter möglichst verbesserten wieder anzutreten. Ein paar Jahrzehnte später hatte es den Anschein, als sei die Lohnfrage erledigt, als müsste das Proletariat, das seit dieser Zeit „die Arbeitnehmer“ heißt, nicht mehr um seine Existenz fürchten. Das Kämpfen schien obsolet: Gewerkschaften sorgten tarifvertraglich geregelt für Lohngerechtigkeit, Betriebsräte für die Mitwirkung im Unternehmen und Politiker dafür, dass die Marktwirtschaft auch „sozial“ ausgestaltet ist. Heute ist die
Lohnfrage wieder aktuell: Die Unternehmer
haben – mit der Berufung auf ihre Konkurrenz und der Berufung auf die
Wirtschafts- und die Finanzkrise – mehr Arbeit und freiere
Verfügung über die Arbeitskraft
für weniger Lohn auf die nationale Tagesordnung
gesetzt. In Anbetracht dessen, dass sie auf der Unvereinbarkeit von
kapitalistischem
Wachstumserfolg mit dem Lebensunterhalt
der lohnabhängig Beschäftigten bestehen, leisten sich letztere die Auffassung, das
Gegenteil sei der Fall: „Arbeit
verdient ihren Lohn“, „sei zu Leben da“, „Leistung
lohne sich“ und „Beschäftigung ist überhaupt das höchste Gut“ –
zumindest „im Prinzip“, „eigentlich“
u.s.w... Wer da wohl recht behält? Zur Klärung des Verhältnisses von Lohn und Leistung, Arbeiten und Leben im Kapitalismus laden wir ein zu Vortrag
und Diskussion mit Theo Wentzke (Redakteur GEGENSTANDPUNKT) zurück zur Übersicht Mittwoch, 13.01.2010, 18.30 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 202 60
Jahre Grundgesetz: Kein Grund zum Feiern
Das Grundgesetz begeht seinen 60. Geburtstag – und die Nation ist aufgerufen, zu feiern und sich für den Genuss der Freiheiten zu begeistern, die die staatliche Ordnung ihren Bürgern so großzügig gewährt. Dass im Reich der Freiheit alle Unternehmungen des Einzelnen von der Arbeitsplatzsuche bis zur Familiengründung unter dem staatlichen Vorbehalt des Dürfens stehen und selbst die Meinungsäußerung eine Frage der Erlaubnis ist, erscheint niemandem weiter fragwürdig. Vielmehr herrscht eine grundsätzliche Dankbarkeit gegenüber der staatlichen Hoheit, dass man im freiheitlichsten Gemeinwesen, das je auf deutschem Boden existierte, leben darf. Die Frage nach den Vorteilen dieser Ordnung für diejenigen, die darunter zu leben haben, ist gemeinhin von den Lizenznehmern der Freiheit längst im Sinne des großen demokratischen Gewährers aller dieser schönen Erlaubnisse beantwortet. Die vom demokratischen Rechtsstaat in Kraft gesetzten Zwänge des kapitalistischen Wirtschaftslebens erscheinen den Bürgern nämlich wie naturgegebene Lebensbedingungen, die man als Mittel begreift, um in aller Freiheit für sich daraus das Beste zu machen. Vom Geld über den Arbeitsmarkt bis zu Sozialstaat, Familie und Schule werden alle staatlich unterhaltenen gesellschaftlichen Einrichtungen als eine Welt voller Chancen für die Verwirklichung eigener Anliegen betrachtet. Merkwürdig ist nur, dass aus den schönen Gelegenheiten zur freien Entfaltung der selbstbestimmten Persönlichkeit für die große Mehrheit der Bevölkerung wenig bis gar nichts wird – und heutzutage bereits die Verfügung über einen Arbeitsplatz mit wenig Lohn und dafür umso mehr Leistung das Optimum dessen bildet, was der Normalsterbliche im Reich der Freiheit zu erwarten hat. Die Veranstaltung will die Lücke einer objektiven Bilanz von Kosten und Nutzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung schließen, indem sie die Leistungen eines politischen Gemeinwesens prüft, das Freiheit, Gleichheit, Eigentum, Menschenwürde, Demokratie und Sozialstaat auf seine Fahnen geschrieben hat. Die Antworten auf die Frage nach dem Gebrauchswert der staatlichen Ordnung fallen freilich ein wenig anders aus als in den üblichen Festtagsreden. Anders auch als die gängige linke Gesellschaftskritik, welche die schlechte Verfassungswirklichkeit des Sozialstaatsabbaus, der ungleichen Vermögensverteilung oder der menschenverachtenden Asylpraxis als Verstoß gegen Buchstaben und Geist der Verfassungsnormen ansieht und alle sozialen Missstände auf nicht eingelöste Verfassungsversprechen oder auf ein Zuwenig an Freiheit, Gleichheit und Sozialstaat zurückzuführen pflegt. Albert Krölls stellt sein im VSA-Verlag erschienenes Buch "Das Grundgesetz - ein Grund zum Feiern? Eine Streitschrift gegen den Verfassungspatriotismus." vor und zur Diskussionzurück zur Übersicht Mittwoch, 16.12.2009, 18.00 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 202 Wie der Kapitalismus das Klima
versaut und worum die Staaten sich streiten
Seit Jahrzehnten rechnen Wissenschaftler vor, dass die zunehmende Erderwärmung durch Treibhausgase verheerende Folgen zeitigen wird. Dürren hier und Überschwemmungen dort machen das Leben von Abermillionen auf dem Globus auf neue Weise zu einer unsicheren Sache. Als Ursache dafür gilt in der Öffentlichkeit gemeinhein nicht das weltumspannende kapitalistische Wachstum, das seit jeher die Atmosphäre als kostenlose Müllkippe für seine diversen Emissionen nutzt, sondern der Mensch. Die Staaten, die auf ihrem Standort das Wachstum des Kapitals wollen und befördern, hat das alles nie beeindruckt. Erst eine nationale Bilanz eigener Art hat sie hellhörig gemacht. Der Klimawandel ist womöglich teuer und trägt allein Deutschland bis 2050 an die 330 Milliarden Verluste ein. Während sich der Mensch mit der Rolle des Verursachers bescheiden muss, darf also das Geschäft als prominentes Opfer des Klimawandels aufmarschieren, den es selbst herbeiführt. Seitdem tobt ein erbitterter Streit in der Staatenwelt um die Frage, wer wem Klimaziele und moderne Technologie wie Windräder oder Solarzellen aufherrschen kann, die die eigene Konkurrenzposition im Weltgeschäft nicht schmälern, sondern befördern, auf Kosten der anderen eben. Gleichzeitig betreiben selbsternannte Klimapäpste wie Bundeskanzlerin Merkel eine Energiepolitik, bei der brandgefährliche Atommeiler und gewaltige Dreckschleudern wie neue Braunkohlekraftwerke bequem Platz finden zwischen den ökologischen Windrädern. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass unter dem Firmenschild „Klimaschutz“ ein etwas anderes Projekt verfolgt wird als die Rettung des blauen Planeten vor den eigenen Emissionen. Die fossilen Energieträger sind nämlich nicht nur endlich, sondern durch die neue Weltlage seit dem amerikanischen Antiterrorkrieg engültig unsicher geworden. Energie ist der universelle Schmierstoff der kapitalistischen Ökonomien und deswegen unter den Staaten ein Streitgegenstand, der sogar das Zeug zum Kriegsgrund hat. Eine weltkrisenfeste Energiebasis der Nation muss also her, natürlich im Namen des weltweiten Klimawandels und der betroffenen Menschheit. Insofern täuscht sich der Protest gegen den Klimagipfel, der der großen Politik Verantwortungslosigkeit in Klimafragen vorhält und sie so an ihre eigentlichen Pflichten erinnern will. Der Staat erlegt zwar täglich anderen Pflichten auf, vom Autofahrer bis zum Hartz IV-Empfänger, steht aber selbst nicht in der Pflicht. Schon gar nicht gegenüber bloß eingebildeten Menschheitszielen auf der politischen Agenda wie dem Klimaschutz. Vortrag und Diskussion mit Rolf Röhrig (Redakteur GEGENSTANDPUNKT)zurück zur Übersicht Mittwoch, 28.10.2009, 18.00 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 420 „Wohlstands- und Überflussgesellschaft“, „Konsumterror – Konsumentenmacht“ Konsum und Konsumkritik im Kapitalismus Wir leben, so die weit verbreitete Ansicht, in einer „Wohlstandsgesellschaft“; damit soll eine Gesellschaft gemeint sein, die der Bevölkerung die Befriedigung der materiellen Bedürfnisse ermöglicht. Dabei sieht die Sache bei einem Blick in die Welt ein wenig anders aus: Dort gibt es von jeder Ware eine Luxus- und ein Billigversion. Und diese Unterscheidung beschränkt sich keineswegs nur auf die Terminologie oder den Preis, sondern betrifft regelmäßig auch die Gebrauchstauglichkeit des Produkts. Stutzen lässt einen außerdem auch der Umstand, dass in den Tarifverhandlungen um jeden Euro gekämpft wird, also der Zugriff der Arbeitnehmer auf den vorhandenen Wohlstand offensichtlich eine sehr relative Angelegenheit ist: Die Befüllung des Geldbeutels entscheidet über die Gültigkeit und Reichweite der Bedürfnisse, die die Leute haben. Diese Einwände haben jedoch nichts gemein mit den landläufigen kritischen Stimmen; denn auch diese teilen den Ausgangspunkt, dass der Endzweck allen Wirtschaftens der gesellschaftliche Konsum sei, wenn sie von einer „Überflussgesellschaft“ sprechen: Die Gesellschaft laboriert – so der Vorwurf – nämlich angeblich an einem Zuviel an Gütern und Konsum und nicht etwa daran, dass die, die Produkte brauchen, sie nur unter dem Vorbehalt der Zahlungsfähigkeit bekommen. Der kritisierte „Konsumterror“ lauert in jeder Einkaufspassage und kommt jeden Abend mit der TV-Werbung ins Haus, die mit ihrer Manipulation „künstliche Bedürfnisse“ kreiert, damit die Kassen klingeln. Als fremdgesteuerter Autofahrer versaut er dann das Klima. Dieses Argument ist genauso blöd wie das, wonach die Konsumenten mit ihrer Geiz-ist-geil-Mentalität die Fleischindustrie glattweg dazu gezwungen haben, Gammelfleisch unters Volk zu bringen. So kommt „König Kunde“ in den Genuss einer Doppelrolle: Als Konsument darf er zum einen dem Kapitalismus für eine Versorgung danken, die so gar nicht im Programm ist. Und zum anderen wird er als Konsument für die schädlichen Wirkungen verantwortlich gemacht, die das kapitalistische Wachstum tatsächlich auf Natur und Gesundheit hat. Welche Rolle spielt der Konsum in der Marktwirtschaft? Was ist dran an den gängigen Ideologien über den „König Kunde“? Und : Was ist dran an den vermeintlichen Tricks der Werbung und der viel gerühmten Konsumentenmacht? Diese Fragen wird die Veranstaltung klären. Vortrag und Diskussion mit Dr. Theo Wentzke (Redakteur GEGENSTANDPUNKT) zurück zur Übersicht Donnerstag, 15.10.2009, 18.00 Uhr, Hörsaalgebäude, Universitätsstraße 3, HS 5 Die
Weltwirtschaftskrise – ein Crashkurs
über das Verhältnis von Arbeit und Reichtum im Kapitalismus Als vor einem Jahr die Finanzmärkte zusammenbrachen und die Realwirtschaft in bis dahin ungekanntem Tempo schrumpfte, kam der Kapitalismus ins Gerede. Leider sehr verkehrt. Auf die Diagnose: "Der Kapitalismus funktioniert nicht mehr", antworteten Volk und Elite mit dem dringenden Wunsch: Er möge schleunigst wieder funktionieren. Inzwischen gibt
es
gute Nachrichten: Die vom Staat
geretteten Banken machen weiter wie bisher und verdienen schon wieder
zweistellige Milliardenbeträge; die Realwirtschaft schrumpft seit ein
paar
Monaten nicht weiter und die allgemeine Stimmung schaltet auf
Optimismus. Zwar
steht in allen Zeitungen, dass die Pleiten zunehmen werden, die
Sanierung und
Verschlankung der Firmen gerade in Gang kommt, und dass aus beiden
Gründen ein
großer Abbau von Arbeitsplätzen erst noch zu erwarten steht – aber das
zählt
wenig angesichts dessen, dass "die Welt doch nicht untergeht"; ein
weiterer Schub der Verarmung von größeren oder kleineren Teilen der
Bevölkerung
ist als Preis des ersehnten Aufschwungs schon abgehakt. * Bewegt von der
Sorge, der Kapitalismus könnte womöglich
nicht mehr als Lebensgrundlage der Nation taugen, und voll der
Hoffnung, dass
er doch wieder in Ordnung kommt, stellt sich schon wieder kein Schwein
die
fälligen und nahe liegenden Fragen:
Nie zeigt die
Herrschaft des Kapitals ihre Härten so offen,
wie in der Phase, in der die Kapitalverwertung – weil sie nicht gelingt
– den
materiellen Lebensprozess der Gesellschaft abwürgt. Insofern wirft die
Krise
ein grelles Licht auf die Normalität des Kapitalismus und gibt eine
abgekürzte
Aufklärung darüber, wie sich Arbeit und Reichtum in diesem System zu
einander
verhalten. Die dafür nötigen Überlegungen verspricht der angekündigte
Vortrag;
zugleich soll er für einen Lektürekurs werben, der sich das Studium des
kapitalistischen Normalzustands vornimmt.
Vortrag und Diskussion mit Dr. Peter Decker (Redakteur GEGENSTANDPUNKT) zurück zur Übersicht Donnerstag, 09.07.2009, 18.30 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 311 Hochschulproteste auf dem Prüfstand:
"Bildung für alle!" – Und dann?
In einer Wirtschaft, in der
Diskussionsgrundlage: Text folgt zurück zur Übersicht Dienstag, 30.06.2009, 19.00 Uhr, Hörsaalgebäude Universitätsstraße, HS 8 Hochschulreform als Standortfaktor – Mit verschärfter Konkurrenz dem Denken Beine machen Dass die Hochschulreform der letzten Jahre den Studierenden – und übrigens auch in anderer Weise den Wissenschaftlern – erheblich zugesetzt hat, ist nicht zu bezweifeln. Mit Bachelor und Master, mit Studiengebühren, verschärften Prüfungs- und Relegationsordnungen usw. wird den Studierenden eingeheizt, die Sortierung am Einkommen fortgesetzt und der europäische Standard mit vergleichbarem Billig- und Aufbaustudium vorangetrieben. In der Forschung gilt es, sich mit Exzellenzclustern zu bewähren, Drittmittel zu requirieren und möglichst noch Großbetriebe für Zusammenarbeit und Sponsering zu gewinnen. Gewinner werden zusätzlich vom Staat belohnt, Verlierer haben es zu verantworten, wenn ihre Uni nicht zu den Eliteuniversitäten gezählt wird. In der Tat: So wird mit verschärfter Konkurrenz dem Denken Beine gemacht. Grund genug, sich dagegen ins Zeug zu legen. Und Grund genug, sich dafür Klarheit darüber zu verschaffen, warum die Bildungspolitik auf solcherart Reform, die in Hochschulrektoren ihre beflissenen Umsetzer findet, erheblichen Wert legt. Auf jeden Fall sind einige der studentischen Befunde nicht zutreffend: So heißt es etwa, dass die Freiheit der Lehre durch die ganz offenkundige Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kapital in Gefahr sei, die Wissenschaft zunehmend der „Verwertungslogik“ unterworfen sei und Bildung zur Ware werde. Das überzeugt wenig: Wem denn sonst sollen im demokratischen Kapitalismus Forschung und Lehre Dienste leisten? Den Kritikern von Wirtschafts- und Staatsmacht doch wohl nicht. Dass Wissenschaft diesen Nutzen – Natur- und Geisteswissenschaften erbringen ihn auf unterschiedliche Weise – schon immer erbracht hat, ist dem „made in germany“ – deutsche Waren gelten als Weltmarktführer und „wir“ sind Exportweltmeister – ebenso abzulesen wie der von der Staatsmacht aufgebauten Infrastruktur und Hochrüstung. Und auch eine weitere Beschwerde trifft nicht ins Schwarze: Mit den Studiengebühren soll ein „sozialer numerus clausus“ in die Universitäten Einzug gehalten haben. Wirklich erst mit diesen zusätzlichen Gebühren? Dabei geben die protestierenden Studierenden doch selbst das Belegmaterial dafür ab, dass so ein „sozialer numerus clausus“ vom ersten Schuljahr an gilt. Immerhin gehören sie zu den Privilegierten, die es geschafft haben, ca. 70% ihres Jahrgangs – und zwar vor allem Kinder aus „bildungsfernen„ Schichten – erfolgreich hinter sich zu lassen, denen dann die Karriere in den unteren Lohngruppen oder in Hartz-IV offen steht. Übrigens greift deswegen auch
die Kritik am Aufbau von Eliteuniversitäten nicht. Elitenproduktion, so
kann man lesen, würde sich nicht mit dem demokratischen Egalitarismus
vertragen. Von wegen: Schon immer haben Universitäten nur für den
Nachwuchs zu Diensten der Macht- und Geldelite gesorgt. Sie haben
Juristen und Lehrer, Ingenieure und Betriebswirte, Generäle und Ärzte,
Pastoren und Journalisten ausgebildet, die selbstbewusst in ihrem
jeweiligen Amt und Beruf dafür sorgen, dass „wir alle“ auf Deutschland
stolz sein können.
Es ist also schon nötig, sich etwas genauer mit der Funktion der Universitäten im Kapitalismus überhaupt zu befassen und die Frage zu stellen, welchem Zweck sich tatsächlich die jüngste Hochschulreform verschrieben hat. Vortrag und Diskussion mit Dr. Freerk Huisken zurück zur Übersicht Donnerstag, 18.06.2009, 18.30 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 311 Eine
falsche Diagnose:
Der „neoliberale Turbokapitalismus“ ist gescheitert! Anlässlich der Krise sehen sich linke Kritiker bestätigt: die Politik der „Deregulierung“ und der „Liberalisierung“, die „Entfesselung des Kapitals“, das Setzen auf „ungehemmtes Wirtschaftswachstum“ und die „ungezügelten Freisetzung der Marktkräfte“ haben sich blamiert und die Welt an den Rand des ökonomischen Zusammenbruchs gebracht. Es wäre „Zeit für einen Systemwechsel“ und eine „solidarische Gesellschaft“ rufen diese Kritiker – nur kann man die neue Gesellschaft, die sie anstreben, nur schwer von der bisherigen unterscheiden: vom Millionär (der eine Extrasteuer zahlen soll) bis zum Niedriglohnempfänger (der in den Genuss eines Mindestlohns kommen soll) sind wieder Profiteure wie Opfer des Kapitalismus in ihren gewohnten Rollen eingeplant. So mündet diese Kritik pragmatisch in konstruktive Vorschläge zur Rettung „unserer Wirtschaft“ und der Arbeitsplätze, die sie dankenswerterweise stiftet. Keinen Augenblick sind die Kritiker um Pläne verlegen, wie das eben noch geschmähte Bankenwesen am besten gerettet werden kann, um dann unter strenger Kontrolle seinen geschätzten Diensten wieder nachgehen zu können, wie die Steuermilliarden richtig eingesetzt werden müssten, damit „die Wirtschaft“ die Krise überwindet und wieder in Gang kommt und zukünftige Krisen vermieden werden. Kapitalismuskritik sieht anders
aus. Das Plädoyer für einen reibungslos funktionierenden Kapitalismus
offenbart eine falsche Erklärung der gegenwärtigen Finanz- und
Wirtschaftskrise ebenso wie falsche Vorstellungen über den „ganz
normal“ funktionierenden Kapitalismus.
Welche Fehler das sind, darüber wollen wir diskutieren. Wir
haben dafür einige Zitate von Sahra Wagenknecht vobereitet, die hier als pdf heruntergeladen werden
können. zurück zur Übersicht Mittwoch, 10.06.2009, 18.00 Uhr, Neues Seminargebäude, Universitätsstraße 1, Raum 202 Weltwirtschaftskrise Erst krachten die Banken, jetzt die ganze Weltwirtschaft – Warum? Gegen das Hoffen auf und das Bangen um die baldige Gesundung „unserer“ Wirtschaft Seitdem die Finanzmärkte zusammenbrechen und die „Realwirtschaft“ in bisher ungekanntem Tempo schrumpft, kommt der Kapitalismus ins Gerede. Leider sehr verkehrt. Auf die Diagnose: „Der Kapitalismus funktioniert nicht mehr“, antworten Volk und Elite mit dem dringenden Wunsch: Er möge schleunigst wieder funktionieren. Die
Regierung setzt ihre politische Macht ein, um mit dreistelligen
Milliardenbeträgen die Banken zu retten und mit einem
Konjunkturprogramm und anderen Subventionen die Auto- und andere
Industrien vor dem Untergang zu bewahren. Das alles – da macht niemand
ein Geheimnis daraus –, damit die kapitalistische Profitmacherei wieder
in Gang kommt und weitergeht wie bisher.
Die Gewerkschaften und ihre Mitglieder identifizieren sich mit ihren Arbeitgebern, obwohl deren „Überlebensstrategien“ immer unverträglicher mit dem Interesse der Belegschaften an Lohn und Lebensunterhalt ausfallen. Auf Entlassungen, Kurzarbeit und Lohnkürzung antwortet die organisierte Arbeitnehmerschaft nicht mit Widerstand gegen die Kapitalisten und mit einer Absage an den Staat, der sie für die Rettung des Kapitalismus einspannen will. Sie demonstriert statt dessen Seit' an Seit' mit ihren Ausbeutern und fordert vom Staat mehr Geld für die Eigentümer ihrer Arbeitsplätze: „Wir sind Opel!“, „Wir sind Schaeffler!“, „Wir sind …!“ – Der Staat soll dem Kapital die Gewinne ersetzen, damit Arbeiter weiterarbeiten können! DIE LINKE schimpft lauter als andere auf die Raffgier der Banken und die spekulative Profitmaximierung, die diese sich geleistet haben. Zugleich fordert sie vom Staat, diese „Profitgeier“ zu retten, aber nur, damit sie ihren „sozialen Dienst“ am realen Ausbeuten und Arbeitgeben wieder versehen können, der „Realwirtschaft“ Kredit zu geben. Banken, so DIE LINKE, gehören besser als bisher kontrolliert, damit ihr „Kasino-Kapitalismus“ nie wieder eine Chance bekommt, den produzierenden Kapitalismus zu schädigen. Außerdem tritt sie für eine Reichensteuer ein: Sie findet es nur gerecht, dass auch die Reichen dafür, dass sie in einem „sozial regulierten“ Gesellschaft ihren Platz als Reiche behalten sollen, einen Obolus zur Rettung ihrer Ordnung beisteuern. Bewegt von der Sorge, dass der Kapitalismus nicht mehr als Lebensgrundlage des Landes und seiner arbeitenden Massen funktioniert, und voll der Sehnsucht, dass er wieder funktionieren möge, interessiert sich schon wieder kein Schwein dafür, was für ein Wirtschaften da eigentlich – auch und gerade in der Krise – funktioniert:
Vortrag und Diskussion mit Dr. Theo Wentzke (Redakteur GEGENSTANDPUNKT) zurück zur Übersicht Mittwoch, 27.05.2009, 18.00 Uhr, Seminargebäude, Universitätsstraße 5, Raum 202 Die Moral und ihre großen
Werte - nichts wert!
Fleiß Sparsamkeit Bescheidenheit Ehrlichkeit Altruismus HöflichkeitDie Moral gilt als hohes Gut, das die Menschen im Unterschied zum Tierreich als Krone der Schöpfung adelt. Merkwürdigerweise ist sie aber nie recht vorhanden, weil die Welt eigentlich nur von gierigen Managern, korrupten Politikern, egoistischen Singles und faulen Arbeitslosen bevölkert ist. Nicht zu vergessen die unhöflichen Kinder, die nie grüßen. Die Welt ist also voller Lumpen. Eine Ausnahme kennt freilich jeder: sich. Das ist nur eine der vielen selbstgerechten Dummheiten des moralischen Bewusstseins, das für jeden Schaden, den das kapitalistische Gemeinwesen seinen Insassen auflädt, ein und dieselbe falsche Erklärung parat hält: Das schlechte Benehmen der Menschen ist schuld, die sich einfach nicht an Moral und Anstand halten. Wären alle so tugendhaft wie man selbst, wäre die Welt in Ordnung und jeder hätte sein Auskommen. Das Anspruchsdenken, sonst heftig im Volk bekämpft, wird auf dem Feld der moralischen Tugenden von Politikern, Wirtschaftskapitänen und Pastoren kräftig angestachelt. Anstand kann ein Mensch gar nicht genug haben! Für das politische Gemeinwesen stiftet die Moral offenbar einen erheblichen Nutzen. Für die Millionen kleiner Leute, die unter seine Räder kommen, taugt sie nichts. Der Vortrag will nicht nur den Begriff der Moral erläutern, sondern einmal die viel gepriesenen Tugenden höchstselbst auf den Prüfstand stellen. Was taugen eigentlich Fleiß, Sparsamkeit, Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Altruismus und Höflichkeit? Soviel sei vorweggenommen: Die Kritik an so großen Werten wie Ehrlichkeit oder Altruismus ist kein Plädoyer für die Umkehrung, also für Unehrlichkeit oder Egoismus, sondern ein Einwand gegen den marktwirtschaftlichen und demokratischen Sumpf, auf dem das falsche moralische Bewusstsein gedeiht.
Vortrag und Diskussion mit Dr. Rolf Röhrig (GegenStandpunkt-Verlag) zurück zur Übersicht Donnerstag, 16.04.2009, 19.00 Uhr, Orientalischen Institut, Raum S202, Schillerstraße 6, 04109 Leipzig Zur
Darstellung des Gaza-Kriegs in den Medien:
Im Zweifel für Israel? Die Medien
liefern so gut sie können und dürfen „ganz furchtbare“ Bilder und
Opferzahlen: Kassam-Raketen stürzen wahllos auf Israel und zwingen
Israelis in Schutzräume; Israels Armee zerstört in einem Blitzkrieg die
Machtstruktur der Hamas, die Infrastruktur des Gaza und Lebensmittel
seiner Bewohner, die letzten Zugänge zum Gaza, und rächt parallel in
Echtzeit jeden Raketenabschuss. Das aufgewühlte deutsche Publikum soll
erst gar nicht ruhig nachdenken, sondern sich ent-scheiden: Gegen den
„Terror“ der „Terroristen“ steht dem „Staat Israel“ doch wohl die
"Verteidigung seines Existenzrechts" zu! Das sagen nicht nur Israels,
sondern auch Deutschlands Politiker. Und die Medien. Sie verweisen dazu
auf ihre Bilder und Opferzahlen, als könne man dem Einsatz von Gewalt
beider Seiten und den Opfern auf beiden Seiten die Parteinahme ablesen.
Aber die Moral und ihre demokratische Betreuung in Deutschland machen es sich nicht nur einfach mit der parteiischen Willensbildung. Ununterbrochen verkünden Politiker, Kommentatoren und Talkfrauen, dass ihnen „unser Freund Israel“ ganz schön viele Gewissenbisse bereitet, mit denen sich das Publikum beschäf-tigen soll: Trifft Israel denn überhaupt die Richtigen im „dichtestbesiedelten“ Gazastreifen, nicht „Unschuldige“ bzw. „zuviel“ „Frauen und Kinder“, die zwar von der Hamas als „menschliche Schutzschilde“ „missbraucht“, aber eben doch von israelischem Phosphor umgebracht werden, und kommt aus dem Blutbad denn wenigstens eine „Lösung“ heraus…Nein, leichtfertig nimmt man in Deutschland nicht Partei in einem und für einen Krieg, sondern nur mit einigem Ringen von politischem Realismus und tiefstem Humanismus, den einem keiner nehmen kann. Was ist das für eine Denkungsart, was bringt sie zustande? Haben Deutschlands Medien Israels Vorgehen im "Gaza-Krieg" kritisiert? Wodurch zeichnete sich diese Kritik aus? War sie vielleicht nur eine Reproduktion der Darstellungen des Krieges seitens der israelischen Regierung? Margaret Wirth bezieht insbesondere die Süddeutsche Zeitung, eine der deutschen Qualitätszeitungen, in ihre Analyse ein. Referentin: Prof. Dr. Margaret Wirth (Universität Bremen) Eine Veranstaltung des eurient e.V. Leipzig. Zur Seite des Veranstalters. zurück zur Übersicht Donnerstag, 05.02.2009, 18.00 Uhr, Interimsgebäude "Brühl", Raum 5-05, Am Brühl 34-50 Internationale
Finanzkrise:
Böse Banker und gute Bankiers? Das Finanzgewerbe hat das Vermögen der Gesellschaft in seiner Hand und benutzt es als sein Geschäftsmittel. Solange die Geschäfte mit Wertpapieren und Derivaten aufgingen, hatte kein Politiker daran etwas auszusetzen. In ihrem Boom haben die Banken mit dem Wertpapierhandel enorme Gewinne gemacht. Gleichzeitig
haben sie die Gründe für eine Krise geschaffen, die die führenden Köpfe
der Nation so aufschreckt, wie kein »Sozialkram« das je vermocht hat.
Welchen Stellenwert der Reichtum des Finanzkapitals für die Politik
besitzt, zeigt sich an den Reaktionen: Der Zusammenbruch von deren
Geschäft wird besprochen als Krise des Gemeinwohls, als ein Notstand,
für den sich noch der letzte Hartz-IV-Empfänger interessieren soll.
Dabei wissen Politiker genau zu trennen zwischen den Betroffenen der Finanzkrise, die nach wie vor ihr Vermögen ruinieren - und den betroffen Gemachten, die als Lohnabhängige in der »Realwirtschaft« die Konsequenzen zu spüren bekommen. Der Bundespräsident wendet sich an die Banker und fordert sie auf, ihre Geschäfte wieder in Gang zu bringen, indem sie sich auf ehrbare Kaufmannstugenden besinnen. Die Bundeskanzlerin wendet sich an die Massen, fordert Gefolgschaft in schweren Zeiten und verspricht, sie als Abhängige der Interessen von Unternehmern und Finanzkapital zu erhalten. Was es bedeutet, wenn sich »jeder an seinem Platz« für das erneute Gelingen des Bankgeschäfts einsetzt, wie die Investmentbranche jede Menge Reichtum und eine Krise bewerkstelligt hat, und wieso man sich fragen sollte, ob man das alles mitmachen will - darüber wollen wir diskutieren.
zurück zur Übersicht Mittwoch, 28.01.2009, 18.00 Uhr, Interim Uni Leipzig, Dittrichring 5-7 (Dresdner-Bank-Gebäude), Raum E-13 Der Staat will die Banken retten – warum?Jetzt, wo das Finanzsystem kollabiert, manche „banca rotta“ ist und sich Geldvermögen im Billionen-Dollar-Bereich in Luft auflösen, ist der Staat als Retter gefordert. Politiker und Meinungsmacher von rechts bis links finden das „neoliberale Dogma“ blamiert, demzufolge sich die Märkte selbst regulieren. Nur das „kraftvolle Handeln der politischen Macht“ könne die Katastrophe noch bremsen; der Staat muss endlich eingreifen. Allerdings ist die Auffassung, der Staat habe sich bisher aus dem Finanzsektor herausgehalten, insofern verkehrt, als der Staat in diesem Sektor und seinem Treiben immer schon drinsteckt. Die enge Symbiose des Privatgeschäfts der Banken mit der Obrigkeit etabliert überhaupt die Macht des Geldes über die Gesellschaft und damit die Macht der Banken, das ganze ökonomische Leben zum Mittel ihrer Profite und ihres Wachstums zu machen. Der Staat rettet, wenn er das Finanzsystem rettet, sein Geschöpf und sein Regime. Rechte wie Linke reden von einer „Renaissance des Staates“ und prognostizieren eine „größere Rolle der Politik in der Wirtschaft“. Die Rechten im Ton der Warnung: Da drohe die Rückkehr des Sozialismus, den man doch längst überwunden habe. Zu viel Staatseinfluss werde die Kräfte des Marktes schwächen. Linke Wortmeldungen begrüßen eine stärkere politische Kontrolle über die (Finanz)Wirtschaft als einen Schritt zum Sozialismus, den sie sich schon früher gewünscht hätten. Wissen beide Parteien überhaupt, wovon sie reden? Liegt denn nicht auf der Hand, wofür die „größere Rolle des Staates“ da zum Einsatz kommt? Für die Rettung des Finanzkapitals! Es geht um den Erhalt der akkumulierten Geldvermögen, ums Funktionieren der Banken und um die darauf gegründete Geldmacht dieser Nation im Gegensatz zu anderen Nationen. Das Ziel wie seine Mittel und Konsequenzen sind in jeder Hinsicht das Gegenteil von Sozialismus. Alle Welt vergleicht die Lage mit „1929“: Das globale Finanzsystem sei in einem Zustand, der noch schlimmer sei als im Jahr des New Yorker Börsenkrachs zu Beginn der Weltwirtschaftskrise, die in den Zweiten Weltkrieg mündete. Aber, so die gute Botschaft, heute sei es anders. Die Staaten hätten ihre Lektion von damals gelernt und wüssten, dass in der Krise nichts wichtiger sei als Kooperation. Die heutigen Nationen würden ihre Banken nicht mehr auf Kosten der Banken der Nachbarn retten, nicht mehr ans Ausland gewährte Kredite zurückfordern, keine neuen Handelsbarrieren errichten, keinen Abwertungswettlauf ihrer Währungen lostreten. Von wegen! Die imperialistische Konkurrenz um die Verteilung des Schadens aus der Finanz- und Weltwirtschaftskrise und als Folge davon der Kampf um Aufstieg und Niedergang der Nationen fängt gerade erst an. Und zwar nicht überhaupt, sondern gezielt und auf Ansage, z. B. aus Deutschland: Finanzminister Steinbrück äußerte vor dem deutschen Bundestag am 25.9.2008 eine Vermutung:„Niemand sollte sich täuschen: Die Welt wird nicht wieder so werden wie vor dieser Krise. … Die Fernwirkungen dieser Krise sind derzeit nicht absehbar. Eines scheint mir aber wahrscheinlich: Die USA werden ihren Status als Supermacht des Weltfinanzsystems verlieren. Das Weltfinanzsystem wird multipolarer.“ Da werden Steinbrück und seine Leute
schon ein wenig nachhelfen müssen. Ganz von selbst werden die USA ihren
Status nicht abtreten. Es gibt eine Menge zu erklären an dem Wahnsinn, dem der Normalmensch als Zaungast beiwohnt, für den er als mitdenkender Staatsbürger in Anspruch genommen wird und als Opfer eingeplant ist:
Vortrag und Diskussion mit Dr. Theo Wentzke (GegenStandpunkt-Verlag) zurück zur Übersicht Donnerstag, 11.12.2008, 18.30 Uhr, Interimsgebäude "Brühl", Raum 5-05, Am Brühl 34-50 Internationale Finanzkrise: Die Macht der
Banken und ihr Dienst für die kapitalistische Reichtumsproduktion
Ziemlich schlagartig wird im Zuge der Finanzkrise eine gewaltige Menge Reichtum vernichtet. Und ganz klar: auch die „Realwirtschaft“ gerät in die Krise. Zwar ist keine Ähre geknickt und keine Maschine kaputt, der sachliche Reichtum also nach wie vor vorhanden und brauchbar – aber seine Verwendung für den kapitalistischen Zweck der Geldvermehrung klappt nicht mehr. Die Bilder für den Zusammenbruch der Finanzbranche reichten von „Tsunami“ bis „Erdbeben“ – als würde es sich hier um Naturkatastrophen und nicht um die Resultate einer von Staaten eingerichteten und betreuten Ökonomie handeln. Letztere - die ökonomischen Notwendigkeiten - wollen wir anhand folgender Thesen erklären und diskutieren:
zurück zur Übersicht Mittwoch, 03.12.2008, 18.00 Uhr, Moritzbastei, Ratstonne Internationale Finanzkrise: Wenn Banken krachen ... Was der Kollaps des Finanzsystems über den Reichtum der kapitalistischen Nationen lehrt Was mit einer Hypothekenkrise in den USA begann, hat sich zu einem fortschreitenden Zusammenbruch des Finanzsystems ausgewachsen. Der Herbst 2008 zeigt drastisch, was es heißt, im Kapitalismus zu leben. Schlechterdings alles, das Arbeiten und Kaufen, das Leben und Überleben, ist eine abhängige Variable des Finanzgeschäfts. Wenn Börsianer und Bankiers mit ihrer Bereicherung scheitern, dann scheitert alles – und dem ganzen Volk droht schlagartig eine weitergehende drastische Verarmung. Ersparnisse und Rentenanlagen gehen kaputt, Arbeit und Einkommen werden gestrichen. Das ist konsequent und kein Unfall in einem System, in dem sich alles Wirtschaften um die Vermehrung von Geld dreht:
Eine wachsende Finanz- und Spekulationsbranche ist also die Lebensader der gesamten Wirtschaft und des Staates. Und ihren Dienst leisten die Finanzmagnaten umso besser, je mehr Freiheiten sie für ihr Wachstum eingeräumt bekommen. Jetzt zeigt sich in der Weltfinanzkrise, dass die gewaltigen Massen von Wertpapieren einen Vorgriff auf wirklichen Reichtum, einen versprochenen, noch gar nicht wirklich produzierten Wert darstellen, der nicht bezahlt werden kann, wenn misstrauisch gewordene Besitzer solcher Papiere auf Auszahlung bestehen. Seitdem fallen die Wertpapiere und Investmenthäuser rund um den Globus wie Dominosteine. Und nicht nur sie: Die „Realwirtschaft“ bricht Stück für Stück zusammen. Das ist folgerichtig. Das Spekulationsgewerbe hat mit seinem Kredit die produzierende Wirtschaft von den Schranken des Marktes und seiner begrenzten Kaufkraft befreit; jetzt sorgt umgekehrt die Entwertung des Finanzsektors und das Versiegen des Kredits für die Reduktion der Industrie auf eben diese Schranken. Die arbeitende Bevölkerung wird dafür mit Entlassungen und Lohnkürzungen in großem Stil in Haftung genommen. Forderungen nach einem reellen Lohnzuwachs hat die einsichtige IG-Metall gleich selbst vom Programm genommen. Dafür kriegt das Volk als Entschädigung einen ideellen Lohn. Man darf auf die „Zocker“ schimpfen, denen es „nur ums Geld geht“. Als wäre es dem Mittelstand jemals um etwas anderes gegangen! Auch die Politik darf an den Pranger gestellt werden, weil sie die Regelung des Finanzsektors unterlassen hat. Als gäbe es eine einzige Zweckgesellschaft oder Wertpapiersorte ohne gesetzlichen Segen und staatliche Aufsicht! Linke von Attac mahnen die „dienende Aufgabe“ der Banken an. Als wäre der Dienst, den sie den Betrieben mit Kredit erweisen, jemals auf etwas anderes berechnet als die Bereicherung der Bank und des Betriebes, beides auf Kosten der Arbeiter. Diese Kritik an den „Zockern“ im „Casino-Kapitalismus“ ist nicht nur falsch, weil sie die Notwendigkeit der Krise durch vermeidbare Fehler beim führenden Personal ersetzt. Sie ist auch unehrlich: Keiner will die „Zocker“ vom Hof jagen! Der Rettung des Finanzsystems auf die eine oder andere Art mag sich niemand verschließen. Damit es nicht weitergeht wie bisher, nehmen wir uns die Zeit für die Erklärung des Finanzkapitals und seiner Leistungen für die kapitalistische Welt der Arbeit. zurück zur Übersicht Dienstag, 18.11.2008, 19.00 Uhr, Städtisches Kaufhaus, Universitätsstr. 16, Raum 2-06 Bürgerliche Ökonomie contra Karl Marx
Mit „Produktionsfaktoren“ und
„subjektiver Wertlehre“
gegen die Erklärung des Werts Im Kapitalismus wird Arbeit verrichtet nicht für die Herstellung nützlicher Güter, sondern für die Vermehrung von Geld. Dessen Wachstum ist der Zweck allen Produzierens. Das war Marx nicht nur eine Analyse, sondern auch eine Kritik wert. Ein Reichtum, der sein Maß im Arbeitsaufwand hat, wächst nur im Grad der Mühen, die aufs Produzieren verwandt werden. Er besteht gerade nicht in der Leichtigkeit, mit der die arbeitende Menschheit sich die Notwendigkeiten und Genüsse des Lebens verschafft, sondern erfordert das gerade Gegenteil. Die Gesellschaft ist die reichste, in der möglichst viele Leute möglichst lange arbeiten, an modernsten Maschinen natürlich. Nutznießer eines solchen abstrakten Reichtums können gar nicht die Arbeiter sein. Umgekehrt, sie dienen ihm mit ihrer ganzen Lebenskraft. Es ist nicht zu übersehen: Die Werte, die durch die Verausgabung von Arbeit geschaffen werden, gehören im Wesentlichen jenen, die nicht selber arbeiten, sondern andere arbeiten lassen. Das Kapital wächst, das seinen Eigentümern Gewinn, Zins oder Grundrente abwirft. Nur der Arbeiter selber wird ärmer und muss nach 150 Jahren kapitalistischem Wachstum um einen Mindestlohn betteln. Marx Kritik hat die moderne bürgerliche Ökonomie nicht ruhen lassen. Nicht dieser oder jener Fehler, die politische Konsequenz seiner Theorie war unerträglich. Die Volkswirtschaftslehre versteht sich daher seit ihren Anfängen als Gegenprogramm in antikritischer Absicht. Gegen die „Arbeitswertlehre“ stellt sie ihre „Theorie der Produktionsfaktoren“: Ausbeutung wird zu einem Gemeinschaftswerk dreier Kräfte, die auf den Namen Boden, Kapital und Arbeit hören und sich das Produktionsergebnis angeblich nach Maßgabe ihres nützlichen Beitrags teilen. Gegen die „objektive Wertlehre“ entwirft sie eine „subjektive“: Der Preis der Ware, der jedes Bedürfnis vom nützlichen Gut trennt, wird darin zum Ausdruck subjektiver Wertschätzung prinzipiell knapper Güter, damit Wünsche und Gütermenge zu einem vernünftigen Ausgleich kommen. Und der Markt, den Marx in der Wirklichkeit als Konkurrenz der Betriebe um lohnende Preise angetroffen hat, gerät den Freunden der „invisible hand“ zu einem rundum gelungenen Kundendienst: Das Publikum ordert mit seinen Geldscheinen beim Einkauf Qualität und Menge des Angebots, das die Nachfrage bedient. Zwei
Theorien, aber nur eine Welt. Es lohnt sich, den Leistungsvergleich
einmal ernsthaft durchzuführen, den die moderne Volkswirtschaftslehre
gegen Marx ausgerufen hatte und für sich entschieden zu haben meint.
Vortrag und Diskussion mit Dr. Rolf Röhrig (Redakteur GEGENSTANDPUNKT) zurück zur Übersicht Diese
Veranstaltung fällt leider aus! Sie wird, wenn möglich, zu einem
späteren Zeitpunkt nachgeholt.
Mittwoch, 29.10.2008, 18.00 Uhr, Moritzbastei, Ratstonne Ein kleiner Krieg und die größten Mächte sind beteiligt. Worum geht es beim Kaukasuskrieg? Das riesige Russland überrollt das kleine Georgien: So setzen die westlichen Medien fürs Fußvolk ins Bild, was die westlichen Chefpolitiker als Verurteilung deklarieren: „Unverhältnismäßig“ (Bush, Merkel…) sei Russlands Militäraktion, also „inakzeptabel“. Soll man glauben, dass ausgerechnet die amerikanischen Strategen der "asymmetrischen Kriegsführung", die z.B. im Irak Saddam Hussein die militärische Überlegenheit der USA einbläuten und der gesamten Welt ihre Unanfechtbarkeit demonstrierten, Anhänger fairer ausgewogener Kräfteverhältnisse sind und deshalb Russland verurteilen? Oder verurteilen sie Russland und deshalb seine Kraft? Wofür? Kritische Töne gibt es auch gegen Georgien: Ein „Hasardeur“ (Ex-Kanzler Schröder) sei sein Präsident. Im Geiste des Sachverstands von cool kalkulierenden Kriegsstrategen schütteln vor allem in Europa Politiker und Journalisten öffentlich ihren Kopf über den „unüberlegten“ Saakaschwili, der den Krieg nicht habe gewinnen können. So wohlmeinend solcher Tadel ist, auch er könnte zu denken geben: Was ist Georgien für eine sympathische Herrschaft, die ihr Volk und Land in einen Krieg stürzt, damit endlich „Georgien den Georgiern“ gehört, koste es beide, was es wolle? Soll man glauben, dass Saakaschwili nicht weiß, was alle Welt weiß, dass Georgien national nicht eine Macht ist, die Herr eines Krieges gegen Russland ist? Auf welche Macht bzw. Mächte hat er denn gerechnet? Und warum? Dass die Konfrontation überhaupt eine zwischen Georgien und Russland als den entscheidenden Parteien ist, dass da ihr Grund liegt, diese Darstellung ist sehr fragwürdig. Spätestens seit der US-Präsident sein Machtwort gegen Russland gesprochen hat: „Die Tage der Satellitenstaaten und der Einflusszonen liegen hinter uns... Tyrannisieren und Einschüchtern sind unakzeptable Wege für eine Außenpolitik im 21. Jahrhundert.“ Sagt der US-Chief einer Kriegsführungsstrategie namens „shock and awe“. Und in Sachen Einflusszonen und Satellitenstaaten verschweigt er gar nicht, dass USA seit Auflösung der SU insbesondere an Russlands Grenzen mit Nato und bunten Revolutionen auf dem Vormarsch sind. Nur ist das erstens ganz etwas anderes, nämlich zweitens von Russland zu akzeptieren: „Unglücklicherweise neigte Russland dazu, die Ausdehnung von Freiheit und Demokratie als Bedrohung seiner Interessen zu sehen. Das Gegenteil ist wahr: Freie und aufblühende Gesellschaften an den russischen Grenzen bringen die Interessen Russlands voran, indem sie als Quellen von Stabilität und wirtschaftlichen Möglichkeiten dienen.“ Dass von nun an die USA die „Selbst-Isolation“ von Russland betreiben, soll daher jedermann als bloße „Reaktion“ auf Russlands militärische Entgleisung zur „Wiederherstellung“ der „blühenden Verhältnisse“ verstehen. Ist das wirklich das Ziel? Russland macht praktisch klar, dass es nicht Krieg riskiert hat und militärisch vormarschiert ist, um sich vor den weltpolitischen Ansprüchen aus den westlichen Machtzentralen zurückzuziehen. Und dabei zielt Moskau erkennbar mit seiner militärischen Machtentfaltung in Georgien politisch nicht allein auf Georgiens Staatschef und einen Streit um den Status von Südossetien und Abchasien. Warum und wofür ist Russland zur Konfrontation bereit? Also: Worum geht es wem beim Kaukasuskrieg?
Vortrag mit Diskussion mit Prof. Dr. Margaret Wirth (Uni Bremen)
zurück zur Übersicht Mittwoch, 22. 10.2008, 19:00 Uhr, HGB, Wächterstraße 11, R 2.41 Faschismus und Antifaschismus heute Wie man die Nationalisten kritisieren sollte – und wie besser nicht. So viel ist klar: Unsere nationalen Demokraten und schon gleich ihr linker Flügel können die Nationaldemokraten gar nicht leiden. Nicht so klar ist, warum. Denn die viel beschworene geistige Auseinandersetzung mit alten und neuen Nazis findet nicht – oder doch sehr eigenartig statt. Sie werden von den Behörden behindert, juristisch verfolgt und bespitzelt wie sonst nur linke Systemgegner, aber nicht kritisiert. Um so ausgiebiger werden sie denunziert: Die geistig Hochstehenden im Lande finden sie ungebildet, dumm, dumpf und versoffen – kurz viel zu sehr unter Niveau, als dass ihre Parolen überhaupt als politisches Programm zur Kenntnis genommen zu werden verdienten. Geht doch einmal ein Sozialkundelehrer oder Landtagskandidat so weit, ihren politischen Standpunkt zu charakterisieren, meint er, mit einer Abgrenzung, mit "Nicht-" und "Un-"Auskünften seine kritische Schuldigkeit getan zu haben. Man erfährt, dass die Rechtsradikalen "un-demokratisch", un-europäisch", gegen Ausländer, Nato und Globalisierung sind. Warum man das alles nicht sein sollte – und wofür einer ist, der gegen das ist, erfährt man nicht. Das scheint auch nicht nötig zu sein, denn "Wir", das offizielle Deutschland, sind ja für all das, wo die Nazis dagegen sind. Sie weichen ab von dem, was sich in der deutschen Politik gehört, und drohen den wunderbaren Kurs zu stören, auf dem die Mehrheitsparteien das Land durch die Zeiten steuern. Das ist für liberale Demokraten Kritik genug und ein hinreichender Grund, die NPD und Konsorten mit den Mitteln der Obrigkeit zu unterdrücken. Dieselben Leute, die den Rechtsradikalismus für eine dumme, eigentlich grundlose Verirrung politischer Wirrköpfe halten, warnen bei nächster Gelegenheit vor dem verführerischen Scharm "einfacher Lösungen" und vor den "furchtbaren Vereinfachern", die sie unters Volk bringen. Sie können sich gut vorstellen, dass der Wähler, dessen politischen Willen sie berufsmäßig bilden, die Vertreibung von Ausländern und die Stärkung der Solidarität unter den deutschen Volksgenossen, Arbeitsdienst und Streikverbot, Zucht in den Schulen und härtere Strafen für Gesetzesbrecher, eine wuchtigere Bundeswehr und eine festere Haltung gegenüber dem US-Imperialismus für attraktive Politangebote hält. Und sie wissen gegen die drohende Verführung nichts Anderes und nichts Besseres einzuwenden, als dass es sich zu leicht macht, wer glaubt, das alles könne die Politik in der heutigen Welt geradewegs in die Tat umsetzen. Wer den Nazis entgegenschleudert: So einfach und undifferenziert geht das nicht! , nimmt seine absolute Abgrenzung zurück und verrät ein Stück Geistesverwandtschaft mit den radikalen Nationalisten, die er bekämpft. Am wohlsten fühlen sich offiziellen Kämpfer gegen rechts, und am überzeugendsten finden sie ihre Argumentation, wenn sie die Nazis anklagen, auch noch un- oder gar anti-national zu sein. Sie schädigen das Ansehen Deutschlands in der Welt, machen die Nachbarvölker misstrauisch gegen das deutsche Gewicht in Europa, erschweren das Herlocken der klügsten Köpfe auf den Forschungsstandort Deutschland und verhindern womöglich sogar ausländische Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die staatstragenden Demokraten streiten sich mit den modernen Faschisten darum, wer von ihnen Deutschlands Größe, Macht, Reichtum, den sozialen Frieden und die innere Stabilität mehr fördert – und wer alles das vergeigt. Sie bestreiten einander das edle Prädikat Nationalist: Die jeweils anderen sind entweder keine ehrlichen und prinzipienfesten Vertreter der nationalen Sache, oder nicht realitätstüchtig und zeitgemäß. Wer die
radikalen Idealisten der Nation kritisieren will, kommt nicht umhin,
den normalen Nationalismus ihrer demokratischen Gegner zu begreifen und
zu kritisieren. Wer es für eine Verharmlosung hält, rechten
Schlägerbanden und ihren Organisationen Idealismus nachzusagen, möge
die Sache einmal umgekehrt betrachten: Was muss der kapitalistische
Staat für eine gewalttätige Sache sein, dass das radikale Ideal
konsequenter Politik Arbeitsdienst, Fremdenhass und Krieg bedeutet? Vortrag und Diskussion mit Dr. Peter Decker Veranstalter: AKL – die antikapitalistische Linke Unterstützt durch: AG Politische Diskussion, Linksjugend Sachsen zurück zur Übersicht Dienstag, 08.07.2008, 18.00 Uhr, Moritzbastei, Ratstonne Die Moral Das
gute Gewissen der kapitalistischen
Klassengesellschaft
Dass es der Welt an Moral fehle, meint
eigentlich ein jeder.
lauter Dokumente des umfassenden Mangels an Gemeinsinn, Pflichtgefühl, Menschlichkeit. In diesem Versagen fast aller Mitmenschen vor den Maßstäben des Guten haben die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft die fertige, stets abrufbare und auf alles anwendbare Erklärung für die sozialen und zwischenmenschlichen Ekelhaftigkeiten, die sie erleben müssen. Wären nur alle so tugendhaft und verantwortlich, wie sie sollten, wäre die Welt in Ordnung, und jeder bekäme, was ihm zusteht. Dass es ihm selbst an Moral fehlt, meint eigentlich kaum jemand. Man hält sich ja an die Gesetze, zahlt Steuern, tut in Beruf und Familie seine Pflicht, übt Rücksicht auf andere, engagiert sich manchmal sogar für die Umwelt und spendet für die Armen. Eigen- und Fremdeinschätzung weichen da ziemlich voneinander ab. Ein jeder sieht sich von Egoisten, Abzockern, Lumpen umgeben und kennt vor allem einen Rechtschaffenen: sich. Das ist nur eine der selbstgerechten Dummheiten des moralischen Bewusstseins, von dem die Rede sein wird. Mit diesem Bewusstsein verstehen sich die Menschen als – wertvolle – Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft und sehen sich zum Wächter über das korrekte Betragen ihrer Mitmenschen berufen. Das selbst bringt jede Menge Feindseligkeit unter die Leute. Die These des Vortrags: Der Vortrag soll den Zusammenhang von Recht, Gerechtigkeit, Moral, Gewissen und Heuchelei erläutern. Vortrag und Diskussion mit Dr. Theo Wentzkezurück zur Übersicht Mittwoch, 02.07.2008, Interimsgebäude "Brühl", Raum 6-05, Am Brühl 34-50, 18:00 Uhr Keine
neuen Gründe für den Hunger auf der Welt!
„Der Hunger meldet sich zurück...“ (FAZ) – so oder ähnlich wurde in den letzten Monaten in den Medien ein weltweites kräftiges Steigen der Lebensmittelpreise thematisiert. Der Befund ist zunächst einmal ziemlich verlogen: der Hunger war nämlich überhaupt nicht verschwunden. 1990 hungerten weltweit 820 Millionen Menschen, 2007 waren es 880 Millionen – und Organisationen wie „Brot für die Welt“ waren ebensowenig überflüssig wie die Suppenküchen in den Städten der reichen Industrienationen. Dass auf der Welt massenhaft gehungert wird ist also eine bekannte Tatsache, an die man sich längst gewöhnt hat und die keine Schlagzeile mehr wert ist. Und eines ist jedenfalls nicht der Grund für den Hunger: daran, dass nicht genügend Lebensmittel produziert werden können, liegt es nicht. Dass stellen die Berichte der UNO regelmäßig fest und davon künden z.B. auch „Milchseen“, „Butterberge“ und Flächestilllegungsprämien in der Europäischen Union. Für Aufregung sorgt viel mehr, dass wegen der steigenden Lebensmittelpreise mit einem Male viele Menschen – vor allem in sogenannten „Schwellenländern“ – die sich bisher die notwendigsten Lebensmittel kaufen konnten, dazu nun nicht mehr in der Lage sind. Und gleich ein ganzes Bündel von Ursachen wird da ausfindig gemacht: der hohe Ölpreis steigert die Produktionskosten, die Chinesen essen nicht nur mehr, sondern neuerdings sogar Fleisch, Ackerfläche verschwindet zugunsten von Industrieprojekten, immer Energieträger werden aus Agrarerzeugnissen gewonnen, Spekulanten treiben die Preise in die Höhe, der Klimawandel sorgt für Ernteausfälle ... Wir meinen: der Hunger ist ebensowenig neu wie der Grund für ihn. Weil in der Marktwirtschaft Lebensmittel als Geschäftsmittel produziert werden, scheitern die Menschen nicht am Mangel an Nahrung, sondern am Preis, der dafür zu zahlen ist. Die Analysen der Experten zeigen nur eines: die Marktwirtschaft funktioniert, wie sie im Buche steht – und Hunger gehört dazu. Diese These wollen wir zur Diskussion stellen.zurück zur Übersicht Mittwoch, 18.06.2008, Interimsgebäude "Brühl", Raum 6-05, Am Brühl 34-50, 18:00 Der Mindestlohn Ein
Offenbarungseid der freien Marktwirtschaft,
der Gewerkschaften und des Sozialstaats Einige Zitate zur Diskussion: „Jeder muss von seiner Hände Arbeit leben können. ... Das sind Sprüche aus den vergangenen Monaten, denen vermutlich zwei Drittel der Deutschen zustimmen. Aber es sind die dümmsten Sprüche des Jahres. Sie verwechseln Wunsch und Wirklichkeit. ... unseriöses und volksverdummendes Gerede, das volkswirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten ausblendet.“ (Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, SZ vom 28.12.2007) „Dass man vom Lohn leben können muss, kann man so nicht sagen.“ (Karl-Josef Laumann, Arbeits- und Sozialminister Nordrhein-Westfalen, CDU, bei Anne Will, ARD, 27.04.2008) „Gesetzlich festgelegte Löhne vernichten Arbeit. Und zwar gerade für die Schwächsten auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb ist das ein unsozialer Vorschlag.“ (Norbert Röttgen, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, SZ vom 04.012008) „Arbeit darf nicht arm machen“ (Frank Bsirske, Vorsitzender von Verdi, SZ vom 25.09.2007 ) „In Deutschland bekommen 4,6 Millionen Arbeitnehmer, das sind 15,5 Prozent, Löhne unter 7,50 Euro. ... Gleichzeitig muss der Staat, also die Steuerzahler, dafür mit 1,5 Milliarden Euro an ergänzenden Sozialtransfers einspringen. Das hat für mich mit Marktwirtschaft wirklich nichts zu tun.“ (Arbeitsminister Scholz, SPD, im Handelsblatt, 21.02.2008) „Für eine neue soziale Idee. Armut trotz Arbeit verhindern – Gesetzlichen Mindestlohn einführen Ein gesetzlicher Mindestlohn sorgt dafür, dass Unternehmen nicht weiter auf Kosten der Allgemeinheit Lohndumping betreiben können. Höhere Löhne führen zudem zu höheren Steuereinnahmen des Staates.“ (DIE LINKE, homepage) zurück zur Übersicht Dienstag, 27.05.2008, 19.00 Uhr, Städtisches Kaufhaus, Universitätsstraße 16, Raum 2-07 Finanzkapital und Finanzkrise US-Hypothekenkrise,
Fondsschließungen, Bankenpleiten:
Ein Lehrstück über Eigenart, Leistung und Macht des Finanzkapitals Gerade noch hatten sich die meisten Industrie-Nationen über ihren „Aufschwung“ gefreut. Und dann das: Ein Beben im Finanzgewerbe löst weltweit Fondsschließungen, Bankpleiten und Angst an den Geldmärkten aus. Die Aktienkurse an den Weltbörsen fallen, und vorsorglich informieren Tageszeitungen ihre Leser darüber, ob ihre Ersparnisse noch sicher sind. Und warum das alles? Ein paar tausend Häuslebauer in den USA sind mit der Bezahlung von insgesamt ein paar Mrd. $ ihrer Hypothekenraten in Rückstand geraten, wird erzählt – und weltweit sollen dadurch laut Internationalem Währungsfonds bis zu einer Billion $ Werte vernichtet worden sein? Wie soll das zusammenpassen? Banken vergeben nicht einfach Kredite z. B. an Bausparer und andere Schuldner; sie machen mit diesem Geld, das sie weggegeben haben, noch einmal Geschäfte! Sie „verbriefen“ diese Kredite und bündeln sie zu Wertpapieren. So verkaufen sie ihre eigenen Schulden mit Gewinn an Fonds und Geldanleger. Wieso können Banken offene Forderungen verkaufen und so Geld, das sie gar nicht mehr haben, immer wieder zu gewinnbringendem Geld machen? Worin besteht der Wert von Papieren, die als grundsolide galten, wenn der sich über Nacht in nichts auflösen kann? Warum rufen Bankenchefs wie Josef Ackermann plötzlich nach dem Staat, während sie bisher staatliche Regelungen als geschäftsschädigende Staateingriffe abgelehnt hatten. Warum macht der Bundesfinanzminister über Nacht Milliarden für die „Fehlspekulationen“ der IKF locker, warum pumpen die kapitalistischen Staaten über ihre Zentralbanken Hunderte von Milliarden € Kredit zur Rettung der Finanzwelt in den Markt, während es „einfach nicht drin sein“ soll, dass Rentner wenigstens einen Inflationsausgleich bekommen? Warum gefährden die Rentner mit ihren mickrigen 1,1 % mehr auf Jahre hinaus die Stabilität der öffentlichen Kassen? Warum
ist in unserer Gesellschaft die Rettung von bankrotten Banken wie der
IKF eine öffentliche Aufgabe, für die Milliarden locker gemacht werden,
während die Existenzsorgen von Häuslebauern, wenn sie z. B. bei
Arbeitslosigkeit mit Zinszahlung und Tilgung in Rückstand geraten, als
deren privates Risiko abgehandelt werden?
Warum und wie wird die „Realwirtschaft“ (Produktion, Häuserbau, Konsum) vom Platzen der Spekulationsgeschäfte geschädigt? Woher kommt diese Macht des Finanzkapitals? Vortrag und Diskussion mit Dr. Theo WentzkeDer Referent ist Mitautor der kürzlich erschienen Buches: Das Geld. Von den vielgepriesenen Leistungen des schnöden Mammons (162 Seiten, 15.– €, ISBN 978-3-929211-11-5) zurück zur Übersicht Dienstag, 22. Januar 2008, 19.00Uhr, Moritzbastei Ratstonne Afghanistan & Irak: „Nation building“
mit aller Gewalt +++ Iran: Wie man zum „Schurkenstaat“ wird +++ Israel:
Die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ lässt den Palästinensern keine
Chance
Wie eine (anti-)terroristische
Vereinigung demokratischer Staaten den Weltfrieden durchsetzen will
Die Weltanschauung des Demokratischen Imperialismus kennt und akzeptiert keine objektiven Gründe gegen die weltweite Herrschaft des kapitalistischen Geschäfts und die militärische Gewaltsuprematie einer Handvoll in der NATO verbündeter Staaten. Zwar produziert die Einrichtung namens Weltmarkt tagtäglich Hunderte von Hungertoten und massenhaftes Elend (nicht nur in der einstmals sogenannten Dritten Welt) und die Blutspur der westlichen Streitkräfte verrät einiges über das Idyll namens Weltfrieden; dennoch sind sich nicht bloß die Parteigänger der Bush-Administration, sondern alle überzeugten Demokraten in der Festlegung einig, dass das nie und nimmer am System liegt, sondern an seiner mangelhaften oder auch einmal zugegeben fehlerhaften Implementierung. Der permanente Kriegszustand mit dem schönen Namen Weltordnung verdanke sich folglich nicht antagonistischen Widersprüchen in Ökonomie und Politik, Widerstand sei nicht die Reaktion systematisch geschädigter Interessen, sondern das Walten prinzipiell systemfremder Feinde, deren Eliminierung oder zumindest Ausschaltung die Stabilität unserer besten aller möglichen Welten wiederherstellt und garantiert. So galt die Sowjetunion als letzte Ursache aller Aufstände in Asien, Afrika und Lateinamerika, aber auch von Kapitalismusgegnerschaft in Kernländern des Demokratischen Imperialismus – bis zu ihrer Kapitulation mittels Selbstauflösung. Die Lüge geht jedoch weiter: Wo eigentlich Friede, Freundschaft und demokratische Weltbeglückung hätten Einzug halten müssen, nachdem selbst der böse Feind im Kreml sich zum Sicherheitspartner und Weltmarktmitglied bekehrt und aller Systemwidrigkeit abgeschworen hat – wird ein Krieg nach dem anderen angezettelt und ein ganz neues „Reich des Bösen“ in Gestalt des fundamentalislamisch ausgerichteten Terrorismus als Feind entdeckt, der umso heimtückischer ist, weil er ohne festes staatliches Territorium auskommt, das die Aeroplane der Freiheit plattmachen könnten. Der totale „Krieg gegen den Terrorismus“ erkor Afghanistan als erstes Schlachtfeld, weil die USA den Verdacht, die Regierung der Taliban beherberge Osama Bin Laden zum Kriegsgrund erklärten und das Land für die Air Force zum uneingeschränkten Abschuss freigab. Als Fortschritt in der ungehemmten Entfaltung des modernsten Zerstörungspotentials wurde von Anfang an auf die verharmlosende Entschuldigung von den „Kollateralschäden“ verzichtet. Vielmehr ist im Land der Paschtunen ohne Zweifelsfall jeder von der Kriegsmaschinerie der Freiheitskoalition erlegte Mensch ein Aufständischer gegen das behauptete Kriegsergebnis, mit dem Abzug der Taliban-Regierung aus Kabul habe sich Afghanistan für den Status eines NATO-Protektorats entschieden. Entgegen der sich selbst den notorischen Nachbetern der von imperialistischer Gewalt gesetzten „Sicherheitslage“ nicht verschließenden Realität zwischen Kabul und Herat werden Auftrag und Aufgabe der NATO-verbündeten Soldateska vor Ort immer noch als mehr oder weniger gelungene „Aufbauhilfe“ rezensiert und beharrlich nicht als die Fortdauer eines in Wahrheit weder beendeten und bis auf weiteres nicht gewonnenen Krieges in und um Afghanistan zur Kenntnis genommen. Erst recht im Irak erweist sich das amerikanische Kriegsziel, durch die Beseitigung des unter Terrorverdacht subsumierten Regimes in der Bevölkerung die Kollaboration in einem prowestlichen US-Satellitenstaat zu erzwingen als Schimäre, der durch so obszöne Veranstaltungen wie die Erhängung Saddams und seiner Mitregierenden anscheinend noch Überzeugungskraft verliehen werden sollte. Statt „Nation-building“ kommt jetzt ein „failed state“ raus und nach dem „Sieg“ sind mehr GIs krepiert als im Krieg selber. Wie konnte es soweit kommen? Ein „Schurkenstaat“ namens Iran soll auch im Irak zur „Destabilisierung“ beitragen, weil er sich einmischt, was ihm nicht zusteht, obwohl er im Unterschied zu allen anderen dort Truppen unterhaltenen Mächten nicht nur eine Grenze mit dem Irak teilt, sondern über diese auch schon einmal bewaffnet attackiert und seine Armee mit Giftgas traktiert worden ist. Die USA haben die Islamische Republik zum nächsten Kriegsgegner erklärt und die Verbündeten im Freiheitslager teilen das Feindbild und ringen um eine differenzierte Strategie, bei der sie ihre Interessen gewahrt wissen. Als Kriegsgrund soll das iranische Nuklearprogramm herhalten, weil es auch militärisch genutzt werden könnte. Da hilft es Teheran nichts, die ausschließlich zivilen Zwecke seiner Uran-anreicherung zu beteuern. Oder gar auf den Statuten des „Non-Proliferation“-Vertrags herumzureiten, deren Normen dem Iran die Anreicherung des Urans schließlich gestatten würden. Der Verweis auf das allzeit und allseits immer tangierte Grenzenloses Sicherheitsinteresse Israels läutert die Option eines „Erstschlags“ der bei Auswärtsspielen erprobt erfolgreichen Luftwaffe des Staates der Juden (Tunesien, Irak, Syrien) gegen die Atommeiler in Iran zur präventiven Verhinderung eines neuen Holocaust durch die angeblichen Leugner des historisch stattgefundenen. Deshalb auf dieser Veranstaltung auch noch ein brandaktueller Exkurs über die Fortschritte des sagenhaft geglückten Exempels für „Nation-building“ namens Israel seit seinem Versuch in Sachen Nation-destruction im Libanon und den damit einhergehenden vernichtenden Aussichten für das „State-building“ Projekt der Palästinenser.Vortrag und Diskussion mit Dr. H.L.Fertl Redakteur der Zeitschrift GEGENSTANDPUNKT zurück zur Übersicht Mittwoch, 19. Dezember 2007, 19.00Uhr, Raum 712 im Interimsgebäude "Brühl", Am Brühl 34-50 Das Geld des Staates – über das Verhältnis von Eigentum und GewaltModerne
Staaten regieren mit Geld. Die Sachen und Dienste, die der Staat für
sich und die Betreuung seiner Gesellschaft braucht, vom Krippenplatz
bis zum modernen Kampfflugzeug, kauft und bezahlt er mit Geld. Im Geld,
dem nationalen Reichtum in abstrakter und universell verwendbarer
Gestalt, hat der Staat das passende Mittel für all seine
Notwendigkeiten und Bedürfnisse.
Dieses Geld bezieht der Staat als Steuern und Abgaben von seinen Bürgern: überall, wo die Geld verdienen, zweigt er einen Teil für sich ab. Dass Geld verdient wird und wieviel davon, entscheidet über den Umfang der Mittel des Staates. Umgekehrt erbringt jeder Bürger mit dem Geldverdienen einen Dienst für den Staat, denn er mehrt dessen Mittel.
Es ist also das Interesse des Staates, dass in seiner Gesellschaft die Geldvermehrung möglichst gut klappt. Und dafür hat er einiges zu tun. Er muss sich mit seiner Gewalt überhaupt dafür einsetzen, dass das Eigentum gilt, also für Geld alles, aber ohne Geld nichts zu haben ist. Nur so ist jeder in Gesellschaft aufs Geldverdienen angewiesen. Doch damit fangen die Aufgaben des Staates erst an, denn damit hat er eine Konkurrenzordnung installiert, in der sich die Bürger gegenseitig das Geldverdienen bestreiten. Ob bei den privaten Bemühungen seiner Bürger ums Geld auch wirklich ein nationales Gesamtwachstum herauskommt, von dem der Staat partizipieren kann, ist keineswegs ausgemacht und muss deswegen staatlich beaufsichtigt und befördert werden.
zurück zur Übersicht Mittwoch, 5. Dezember 2007, 18.00Uhr, Moritzbastei Ratstonne Vortrag mit Diskussion zum Thema:Das
Geld. Einige Wahrheiten über Ware, Geld und Kapital.
Geld muss man nicht erklären, man muss es haben; das ist jedermann selbstverständlich. Denn mit Geld erlangt man Zugriff auf die unerschöpfliche Warenwelt, für die die Marktwirtschaft so berühmt ist. Die Kehrseite dieser geschätzten Leistung des Geldes ist allerdings auch jedem bekannt: ohne Moos nix los! Wenn die Geldsumme aufgebraucht ist, ist es mit dem freien Zugriff vorbei. Vorhanden sind die begehrten und benötigten Güter zwar nach wie vor, aber verfügbar sind sie nicht. Alle Konsumtionsbedürfnisse müssen sich daran messen lassen, ob sie mit ausreichender Zahlungsfähigkeit ausgestattet sind. Daher sieht man sich mit dem unausweichlichen und dauerhaften Zwang konfrontiert, Geld zu verdienen. Und das nötigt den meisten Menschen eine Menge Sorgen auf. Auch wer, was nicht selbstverständlich ist, einen Arbeitsplatz und damit eine Verdienstmöglichkeit hat, muss dort eine Leistung erbringen, die ihm auf Dauer nicht gut bekommt. Und die verdiente Geldsumme richtet sich nicht nach dem, was man an Bedürfnissen angemeldet hat, sondern es ist umgekehrt: man muss mit dem Geld auskommen, das man verdient. Allgegenwärtig sind daher die Klagen über den Stress beim Geldverdienen, über das wenig zufriedenstellende Resultat, über die hohen Preise, und überhaupt über das wenige Geld hier und den vielen Reichtum dort. Fatal also, wenn man dem Zwang, Geld zu verdienen, nur die Ermunterung entnimmt, ihm möglichst erfolgreich nachzukommen. Wer sich das Geld nicht erklären will, soll über dessen ungleiche Verteilung nicht jammern. Umgekehrt: Wer nicht immer nur über die Sorgen mit dem Geld und seine ungerechte Verteilung klagen will, der sollte sich lieber das Geld und die mit ihm gültig gemachte ganz und gar nicht so vernünftige und sachnotwendige Produktionsweise erklären. Der Referent, Dr. Theo Wentzke, ist Mitautor der kürzlich erschienen BuchesDas Geld Von den vielgepriesenen Leistungen des schnöden Mammons (162 Seiten, 15.– €, ISBN 978-3-929211-11-5) Das Buch Das Geld: Von den vielgepriesenen Leistungen des schnöden Mammons bei amazon.de Thesen zum Vortrag: 1. Geld und Markt: ‚Alles hat seinen Preis!‘ Geld, das allgültige Mittel für den Erwerb von Gütern auf dem Markt, ist kein Dienst an der Konsumtion; vielmehr sind mit Kauf und Verkauf auf dem Markt alle Konsumtionsbedürfnisse dem Geld unterworfen. Im Geld als dem allgültigen gesellschaftlichen Repräsentanten des Reichtums ist der Gegensatz dieses Reichtums zu den materiellen Bedürfnissen, zu Versorgung und Genuss vergegenständlicht: Bereicherung auf der einen Seite beruht auf Ausschluss vom Reichtum auf der anderen. 2. Geld und seine produktive Vermehrung: ‚Ohne Gewinne geht nichts!‘ Das Geld als Reichtum in Privathand bestimmt den gültigen Produktionszweck – seine Vermehrung – und stiftet ein gegensätzliches Produktionsverhältnis: Es scheidet Geldbesitzer als Unternehmer, die für Geld arbeiten lassen, von Lohnarbeitern, die sich gegen Bezahlung anwenden lassen. Es fungiert so als Kapital, das sich vermehrt, d. h. es ist vergegenständlichtes Kommando über die lebendige Arbeit und sichert die Aneignung von deren Ergebnissen. 3. Geld und Kreditwesen: ‚Alles hängt am Vertrauen der Finanzmärkte!‘ In Gestalt des Banken- und Finanzwesens, das die Bereitstellung von Geld und Kredit zu einem eigenen Geschäft macht, wird alles Geld der Gesellschaft dem Zweck der Vermehrung verfügbar gemacht und dadurch die geschäftliche Verfügung über Geld von vergangenen und laufenden Geschäften emanzipiert. Der allgegenwärtige Geld- und Kreditbedarf ist Bereicherungsmittel einer eigenen Geschäftssphäre. Das Kreditwesen in seinen einfachen und abgeleiteten Formen stiftet neue Geldvermehrungsgelegenheiten und -mittel. Es schafft damit zugleich lauter erweiterte Ansprüche auf Wachstum des Geldreichtums, die es mit seinen Krediten antizipiert. Es vollendet die Macht des Geldes über alles materielle Wirtschaften, indem es mit seiner Kreditmacht über Gelingen und Misslingen der Produktion von Geldreichtum entscheidet, sich an dieser bedient und sie den (selbst)ständig wachsenden Ansprüchen der Finanzwelt subsumiert. 4. Geld und Staatsmacht: ‚Nichts geht über ein gutes Geld!‘ Der ökonomische Sachzwang des Geldes, der die gegensätzlichen ökonomischen Privat-interessen bestimmt, beruht auf der Gewalt des Staates, der das Geld und die ihm entsprechenden Eigentumsverhältnisse durch- und ins Recht setzt, sowie die damit gültig gemachten Bereicherungsinteressen und deren Gegensätze beaufsichtigt und betreut. Als Stifter des nationalen Geldes, Organisator und Aufseher aller über es vermittelten Beziehungen ist er Garant und Nutznießer dieser Verhältnisse: Das Geld ist die adäquate Form des nationalen Reichtums, Mittel der staatlichen Macht, seine Vermehrung also alles bestimmender Zweck der Staaten. Diese konkurrieren um die Bewährung ihrer nationalen Gelder und damit um ihre Bereicherung an der ganzen Welt. zurück zur Übersicht Mittwoch, 28. November 2007, 19.00Uhr, Raum 610 im Interimsgebäude "Brühl", Am Brühl 34-50 Kritik der psychologischen
Weltanschauung: Alles nur Verhalten?
Wie
sich Psychologen die Welt erklären am Beispiel der
Kognitionspsychologie und Biopsychologie Psychologische Theorien fahnden nach dem Grund dafür, warum die Menschen tun, was sie tun. Dabei gehen sie allerdings äußerst merkwürdig vor. Erstens beginnt ihre Fahndung damit, dass sie jeden bestimmten Inhalt menschlicher Aktivitäten für unwichtig erklären: Arbeit, Liebesleben, Religion, Krieg … alles gerät ihnen zu bloßen, für sich genommen uninteressanten Beispielen für ein Ding namens „Verhalten“. Ausgerechnet mit dem Absehen von allem Inhalt wollen sie dem Grund von allem auf die Schliche kommen. Zweitens wissen sie sehr genau, wo sie nach diesem Grund zu suchen haben: Der Schlüssel für die Erklärung allen menschlichen Tuns – da sind sich Psychologen ganz sicher – liegt im „Inneren“ des Menschen. In diesem „Inneren“ entdecken sie dann wahlweise das Wirken von Kräften, Trieben, Reizen usw. Dass Menschen ihren Verstand und Willen betätigen – da sind sich die Psychologen einig – kann jedenfalls nicht die Erklärung dafür sein, was sie tun. Angesichts dieser trostlosen Quintessenz der scheinbar so bunten Welt psychologischer Theorien fragt es sich schon, was dieser Art des Denkens nicht nur den Rang einer anerkannten Wissenschaft, sondern auch ganz viel Popularität außerhalb akademischer Kreise verschafft hat. An der Stichhaltigkeit der Argumente kann es jedenfalls nicht liegen. Offenbar trifft die psychologische Wissenschaft auf ein gesellschaftliches Bedürfnis, dem die mangelnde theoretische Stichhaltigkeit nicht nur nichts ausmacht, sondern das sich ganz gut bedient sieht mit Theorien über das (Nicht-)Funktionieren des menschlichen Seelenapparats und den daraus verfertigten praktischen Hinweisen, mit deren Hilfe der Mensch mit sich und der Welt ins Reine kommen soll. zurück zur Übersicht Mittwoch, 14. November 2007, 18.00Uhr, Raum 721 im Interimsgebäude "Brühl", Am Brühl 34-50 Prof. Dr. Albert KröllsVortrag mit Diskussion zum Thema:Kritik der Psychologie
Das moderne Opium des Volkes Prof. Krölls stellt sein demnächst in 2. Auflage erscheinendes Buch Kritik der Psychologie. Das moderne Opium des Volkes vor. Der Untertitel ist Programm. Er
beinhaltet die zentrale These der von Albert Krölls vorgelegten Kritik
der Psychologie. Danach besteht die unbestreitbare Leistung der
psychologischen Weltanschauung in der erfolgreichen Selbstmanipulation
des schwierigen Willens zum Glück in einer Gesellschaft, deren Subjekte
bei der herrschaftlich konzessionierten Verfolgung ihrer
Lebensinteressen unter den vom Staat vorgegebenen Bedingungen ihrer
Betätigung andauernd auf die Schranken der konfligierenden Interessen
anderer stoßen. Die Kunst der Glücksfindung besteht
demgemäß darin, die Erwartungen an die Welt an deren harte Realitäten
anzupassen und umgekehrt die Anforderungen der sozialen
Wirklichkeit als Bewährungsprobe für sich und seine werte
Persönlichkeit zu betrachten und in der Erfüllung seiner
gesellschaftlichen Pflichten seine Selbstverwirklichung zu suchen. Der
psychologisch gebildete Mensch, der seine Niederlagen auf den
Kampffeldern des bürgerlichen Lebens nicht den Prinzipien der
Konkurrenzgesellschaft, sondern sich selbst und seiner mangelnden
„Erfolgsfähigkeit“ zuschreibt, macht sich geistig frei von
der Befassung mit den seine Existenz regierenden ökonomischen und
politischen Interessen, für deren Erfolg er als Arbeitnehmer,
Erziehungsberechtigter und Soldat einzustehen hat. Wer vom Wunsch
beseelt ist, von der gesellschaftlichen Umwelt den Wert der eigenen
Person bestätigt zu erhalten, ist umgekehrt von einem grundsätzlichen
Verständnis für alle Zumutungen erfüllt, die ihm Staat und
Ökonomie des demokratischen Kapitalismus auferlegen. Wer sich die
psychologische Sichtweise der Welt und seiner dienstbaren Rolle in ihr
zu Eigen macht, der entspricht also in idealer Weise dem
Anforderungsprofil des demokratisch-kapitalistischen Staatsbürgers.
Seine Unterwerfung unter die Zwänge der bürgerlichen
Gesellschaft erscheint als Akt der Freiheit, als Verwirklichung
gelungener Subjektwerdung. Die Wissenschaft der Psychologie
liefert für dieses Bedürfnis, die kapitalistische Gesellschaft
und ihre Einrichtungen als Summe von Chancen und Möglichkeiten für das
Subjekt zu betrachten, eine sachadäquate Theorie des Willens.
Dieser Theorie zufolge ist der Wille des Menschen keinesfalls das
einfache Resultat seiner Absichten und Beschlüsse. Vielmehr ist sein
Handeln determiniert durch innere und äußere Bedingungen: Triebe,
Reiz-Reaktions-Mechanismen, Dispositionen, Verhaltensmuster,
Umwelteinflüsse etc. Ihr Wissen um die geheimen Wirkkräfte der Seele
gewinnen Psychologen vornehmlich dadurch, dass sie die Handlungen der
Subjekte in deren „seelisches Innenleben“ reflektieren und das
praktische Tun als Äußerung der inneren Möglichkeit dazu bestimmen. So
erklären sie auf mustergültig tautologische Weise das Reich der
menschlichen Aktivitäten durch ebenso viele gleichnamige Antriebe: den
Krieg und andere Gewalttätigkeiten aus einem Aggressionstrieb, die
Ausübung von Macht aus dem Machtstreben, die Liebe aus einem
Liebestrieb, das Lernen aus der in verschiedenen Quanta auf die
Menschen verteilten Lernfähigkeit u. s. w. Die Leistung dieser gedanklichen
Operation, das heißt: der Verdopplung jeder Handlung in ihre innere
Ermöglichung und ihre äußere Aktualisierung besteht darin, Bewusstsein,
Willen und Verstand grundsätzlich zu Schauplätzen menschlicher
Unfreiheit zu erklären. Mit dieser Bestimmung des Willens als
abhängiger Variable eines Ensembles innerer und äußerer
Wirkkräfte erteilt die Psychologie dem Menschen jedoch zugleich einen
umfassenden Steuerungsauftrag. Derselbe Mensch, eben noch als
willenloser Spielball psychischer Impulse definiert, soll nunmehr als
Konfliktmanager der widersprüchlichen Ansprüche fungieren, welche
seine innere Dispositions- oder Motivationslage und die äußere
Welt an ihn erheben. Er soll im Kampf mit sich selbst sein
seelisches Gleichgewicht herzustellen, ein Programm, das seit Freud
unter dem psychologischen Namen einer gelungenen
Ich-Bildung bekannt ist. Jedenfalls dazu soll der Rest an
Wille und Verstand, den die Psychologie dem Menschen zugesteht,
noch zu gebrauchen sein. Der angebliche Kampf der seelischen
Instanzen ist freilich nur die zur inneren Angelegenheit verdrehte
Anforderung der Psychologie an den bürgerlichen Menschen, seine Wünsche
und Bedürfnisse mit der Realität in Einklang zu bringen, damit sie sich
nicht als Enttäuschung oder ausgewachsenes Seelenleiden gegen die
Funktionstüchtigkeit des bürgerlichen Subjektes geltend machen. Für
diese Anpassungsleistung steht das Realitäts-Prinzip der Seele. Wer den
Krieg der seelischen Instanzen bewältigt, ist realitäts-tauglich:
„arbeits- und genussfähig“, wie einst Übervater Freud versprach. Die systematische Darstellung dieses Zusammenhangs zwischen den Erklärungsmustern der psychologischen Weltanschauung und ihrem Gebrauchswert für die kapitalistische Konkurrenzgesellschaft bildet das Leitthema des Buches. Im Rahmen eines exemplarischen Durchganges durch die pluralistische Welt psychologischer Theorien werden die verschiedenen Ansätze darauf hin untersucht, welche besonderen Beiträge sie zum psychologischen Programm der Anpassung des bürgerlichen Konkurrenz-Subjektes an seine gesellschaftliche Heimat erbringen, worin ihr politisch-legitimatorischer Gehalt besteht und auf welchen systematischen Fehlern der wissenschaftlichen Theoriebildung diese gesellschaftliche Nützlichkeit gründet. zurück zur Übersicht Donnerstag, 12. Juli 2007, 18.30 Uhr, Raum 528 im Seminarinterim "Brühl", Am Brühl 34-50 Freunde und Feinde von Chávez' Venezuela
Wir
wollen uns anhand (z.B.) dieser Zitate mit den öffentlichen feindlichen
und freundlichen Urteilen über die Politik in Venezuela auseinandersetzen.
Die Feinde: Was stört eigentlich an Chávez? „Venezuela, wo ein im Ölgeld schwimmender
Demagoge die Demokratie aushöhlt und die Stabilität der Region bedroht"
(Nationales Strategiepapier der US Regierung, 2002)
„... Für den IWF kommt der Austritt Venezuelas zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Seit Jahren verliert er an Bedeutung, weil immer weniger Länder Kredite in Anspruch nehmen. Bereits Ende 2005 hatten Brasilien und Argentinien ihre Schulden vorzeitig an den IWF zurückgezahlt, der nun mit dem Ausfall der fest eingeplanten Zinszahlungen zu kämpfen hat...“ (ZEIT online 3.5.2007, Manuel Mayer) Welches Unrecht begeht Chávez? „... Er (Chávez) verpulvert die begrenzten Einkünfte in Propaganda, Militär, Sozialausgaben und für den „Kauf“ alliierter Nachbarländer, welche ihn bei seiner „bolivarischen Revolution“ helfen können. Investitionen in Technologie und Infrastruktur kommen in seinem Programm allerdings zu kurz...“ (ZEIT online 3.5.2007) Die Freunde: Venezuela als Beweis der „möglichen anderen Welt“? „...Also gab es einen Militärputsch - und das Problem war erledigt. Das Gleiche hat sich überall in der Hemisphäre abgespielt. Heute sieht alles viel hoffnungsvoller aus – sie (die USA) kämen heute nicht mehr durch damit –, und es gibt Kooperation. Zudem lässt sich Bewegung erkennen: in Richtung eines gewissen Maßes an Unabhängigkeit auf politischer, ökonomischer und sozialpolitischer Ebene, hinsichtlich der Kontrolle über die eigenen Ressourcen sowie hinsichtlich der Verankerung sozialer Veränderung ...“ (Noam Chomsky und Bernie Dwyer, http://sandimgetriebe.attac.at/3420.html) Chávez
hat sich also mit seiner Politik die Feindschaft der
mächtigsten Staaten zugezogen, manche feiern ihn deshalb als
Hoffnungsträger für eine andere Welt. Anstatt Hoffnung für
Lateinamerika zu schöpfen, halten wir es für nötig, sich mit den
Heimatländern von Demokratie und Marktwirtschaft zu beschäftigen. Die
sorgen schließlich mit ihrer Macht für die Zustände gegen die Venezuela
jetzt ankämpfen muss.
zurück zur Übersicht Donnerstag, 5. Juli 2007, 19.00 Uhr, Moritzbastei Ratstonne Vortrag mit Diskussion zum Thema:Linksruck
in Lateinamerika:
Venezuelas
Aufstand im Hinterhof der USA
In Lateinamerika, also gerade in der "ureigenen Hemisphäre" Washingtons, lehnt sich in einem wichtigen Öl-Land, das ausgerechnet vorrangig die USA beliefert, eine Regierung mit breiter Unterstützung des Volkes gegen die Vorherrschaft von US-Kapital und US-Politik auf. Von Washington bekämpft, von den hiesigen Medien verurteilt, wird Venezuelas Präsident mit seiner Politik von Globalisierungsgegnern und anderen Linken als neuer Hoffnungsträger für deren Beteuerung gefeiert, dass "eine andere Welt möglich" ist. Fragt sich: Was macht
Chávez in Venezuela, dass er bei den einen so verhasst, bei den anderen
so beliebt ist? Referent: Dr. T. Wentzke
(Redakteur der Zeitschrift GegenStandpunkt) Zitate und
Thesen zum Vortrag: „Venezuelas
Präsident Hugo Chávez macht Ernst mit seinem „Sozialismus des 21.
Jahrhunderts“ und will auch westliche Konzerne enteignen. Für seine
neue Amtszeit kündigte er die Verstaatlichung von Telekommunikation,
Strom- und Ölfirmen an, zudem soll die Zentralbank die Unabhängigkeit
verlieren… Der Linksnationalist will auch ausländische Raffinerien im
Orinoco-Gebiet unter einheimische Kontrolle stellen… Damit macht Chávez
weitere Privatisierungen seiner Vorgänger rückgängig und setzt nach
seinem Wahlsieg vom Dezember seine Revolution fort.“
(SZ, 10.01.07)
„Seit
Jahren warnen Ökonomen, Politiker und Manager vor einem Rückschlag für
die Globalisierung. Jetzt scheint es, als sei der so oft beschworene
‚Backslash‘ wirklich gekommen. Und der Name, der dafür steht, heißt
Hugo Chávez. Der venezolanische Präsident bündelt den Protest gegen
alles, was gemeinhin mit der neoliberalen Globalisierung verbunden
wird: Privatisierung, Liberalisierung, Freihandel, Weltbank,
internationale Währungsfonds, die Wall Street und vor allem die
Vereinigten Staaten selbst.“
(SZ, 13.01.07)
zurück zur Übersicht Donnerstag, 21. Juni 2007, 18.30 Uhr, Raum 528 im Seminarinterim "Brühl", Am Brühl 34-50 als
Ergänzung zum Thema Familienpolitik einige Bemerkungen zu
Liebe und Familie im Kapitalismus
zurück zur Übersicht Donnerstag, 14. Juni 2007, 18.00 Uhr, Städtisches Kaufhaus, Universitätsstraße 16, Raum 2-12 Prof. Dr. Margaret Wirth (Uni Bremen) Vortrag mit Diskussion zum Thema:Familienpolitik heute Kinder – das ist heutzutage ein Gemeinplatz – sind in dieser unserer „Wohlstandsgesellschaft“ ein „Armutsrisiko“; nämlich für diejenigen, die sie bekommen und aufziehen. Das ist so – und an diesem grundsätzlichen Sachverhalt soll sich nach dem Willen der herrschenden Politik auch nichts ändern. Schließlich unterstützt und befördert die Politik ja selbst seit Jahren mit aller Macht die Senkung des nationalen Lohnniveaus; sie selbst sorgt mit der immer neuen Absenkung von Sozialleistungen – zuletzt mit dem großen Reformwerk namens „Hartz IV“ – dafür, dass dem anlagewilligen Kapital möglichst viel billige und willige Arbeitskraft zur Verfügung steht. Das Ergebnis dieser Verarmungspolitik feiern Politiker wie Öffentlichkeit derzeit als Erfolg deutscher Standortpolitik: Die Wirtschaft und deren Gewinne boomen, mit dem Wachstum in Deutschland geht es aufwärts und mit ihm füllen sich wieder die Kassen des Finanzministers. Diese Verarmungspolitik trifft – wie könnte es auch anders sein! – die Lohnempfänger in ihrer Eigenschaft als Familien. Die absehbaren Folgen kann man jeden Tag in der Zeitung lesen: Immer mehr Kinder leben in Armut, bekommen keine anständige Betreuung mehr. Und nicht nur das: Angesichts ihrer finanziellen Umstände und Perspektiven entscheiden sich immer mehr prospektive Eltern, gleich gar keine Kinder mehr in die Welt zu setzen. Vor allem diese Wirkung ihrer konsequenten Verarmungspolitik lässt die Politik nicht ruhen. Dass die Geburtenraten sinken und der nationale Nachwuchs ausbleibt, passt ihr nicht; dass das eine Konsequenz der finanziellen Lasten und Nachteile sein soll, die Kinder so mit sich bringen, soll nicht sein. Also ist Familienpolitik gefragt und in der Verantwortung, etwas dafür zu tun, dass sich im Volk der Kinderwunsch wieder einstellt. Eine Frau von der Leyen weiß auch, wie. Zunächst einmal hat sie viel Verständnis für die Drangsale, die prospektiven Eltern heutzutage zu schaffen machen: Dass es „nicht einfach ist, Ausbildung, Beruf, Partnerschaft, Karriere und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen“, gesteht die Familienministerin gerne zu. Dass es hier mit moralischen Appellen nicht getan ist, weiß die Familienministerin allerdings auch. Wenn die Herstellung kapitalnützlicher Armut in Widerstreit gerät zu dem Dienst, den die Familie als „Keimzelle des Staates“ zu leisten hat – dann muss in dieser Abteilung Soziales auch wieder mal Geld fließen, damit das Kinderkriegen wieder attraktiv wird: „In Anbetracht steigender Kinderlosigkeit werden Maßnahmen gebraucht, welche die Entscheidung für Kinder erleichtern und die wirtschaftliche Stabilität von Familien stärken.“ Diese „wirtschaftliche Stabilität“ hängt heutzutage nämlich in aller Regel daran, dass beide Partner arbeiten. Diese Feststellung ist nicht als kritische Auskunft über die Höhe von Löhnen und Gehältern gemeint, die Frauen wie Männern so gezahlt werden, sondern gilt der Ministerin als schlechte Bedingung dafür, dass diese „Partner“ außer ihrer Tätigkeit im Beruf noch die des aufopferungsvollen Kindererziehers auf sich nehmen. An der Bedingung will sie finanziell ein bisschen drehen – damit die Familien dann mit ihrem Kinderwunsch anders rechnen. Viel zu tun also für eine Familienpolitik, die dafür sorgen will, dass wieder zueinander passt, was auseinandergedriftet ist: Die privaten Lebenspläne der Bürger und der staatliche Bedarf an echt deutschem Nachwuchs. Elterngeld und Krippenplätze hat Frau von der Leyen sich als Maßnahmen ausgedacht, um den staatlich erwünschten Kindersegen als ganz private Lebensentscheidung der Bürger herbeizuregieren. Und hat damit eine Debatte ganz anderer Art losgetreten: Darüber, von welchem Familienbild sich Familienpolitik hierzulande leiten lassen solle. Macht das Krippenangebot die Frauen zur „Gebärmaschine“, wie ein Bischof Mixa tönt – oder verwirklichen Frauen in der Doppelaufgabe von Familie und Beruf nicht vielmehr einen „selbstbestimmten Lebensentwurf“? Wie auch immer: Auf jeden Fall erfährt so die Familienpolitik die höhere Weihe, dass es bei ihr recht eigentlich darum gehe, den Familien bei ihrem Lebensprogramm Hilfe und Unterstützung zu gewähren. Das kann der Politik nur recht sein: So sind alle finanziellen Nöte, die Staat und Kapital den Leuten servieren, in „Schwierigkeiten“ verwandelt, mit denen es zurechtzukommen gilt, und nur noch die eine Frage von Interesse: Wie „schaffen“ es Familien, sich dabei zu bewähren? Folgende Fragen sollen im Referat behandelt werden:
zurück zur Übersicht Donnerstag, 07. Juni 2007, 18.30 Uhr, Raum 528 im Seminarinterim "Brühl", Am Brühl 34-50 Donnerstag, 24. Mai 2007, 18.30 Uhr, Raum 528 im Seminarinterim "Brühl", Am Brühl 34-50 Der G8-Gipfel in Heiligendamm und seine
Kritiker
Anfang Juni findet der G8-Gipfel statt. Diesmal unter deutscher Präsidentschaft treffen sich die Staats- und Regierungschefs der reichsten und mächtigsten Nationen und präsentieren sich als „Forum globaler Verantwortung”(1). Denn so wollen sie sich darstellen und verstanden werden: als Betreuer einer verbesserungsbedürftigen und -fähigen Weltordnung, deren mächtigste Vertreter zwecks Problemlösungen kooperieren. Dabei tun sie so, als ob sie diese Probleme – der Weltwirtschaft, der Armut, der Kriege, der Umweltzerstörung – ohne eigenes Zutun vorgefunden hätten und ihrer Entstehung leider ohnmächtig zusehen müssten. Aber zur Bewältigung dieser Probleme sehen sie nur sich berufen, da lassen sie sich von keinem die Last der Verantwortung abnehmen. Um die Probleme der Welt zu lösen, kann die Macht der Führungsmächte über die Welt nie groß genug sein. Auf der anderen Seite des etliche Millionen teuren Sicherheitszaunes protestieren die Gegner des Treffens. Sie konstatieren als Ergebnis der verantwortungsvollen Tätigkeit der G8 „eine Welt der Kriege, des Hungers, der sozialen Spaltung, der Umweltzerstörung und der Mauern gegen MigrantInnen und Flüchtlinge”(2). Und das werfen sie den G8 als Versagen vor. Statt einer „Globalisierung im Interesse der Mehrheit der Menschen” stehen die G8 für „neoliberale Globalisierung”, statt „fairen Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern” machen die G8 „ungerechte Welthandelspolitik”, statt „Streichung illegitimer Schulden und einer fairen Entschuldung” wurde „den Ländern des Südens bislang nur ein geringer Teil ihrer Schulden erlassen” usw. usf.. Diese Globalisierungskritiker nehmen die Selbstdarstellung der G8 als wohltätige Führungsmächte für bare Münze und wollen sie daran blamieren. All die offensichtlichen schädlichen Wirkungen des Welthandels und der Konkurrenz der Staaten können sich diese Kritiker einfach als unnötige wegdenken – und wenn sie dennoch auftreten, dann sind die Chefs der Welt ihrer eigentlichen Aufgabe nicht richtig nachgekommen. Dann ist ihre Macht nur „angemaßt” und „illegitim”. Auf die Idee, dass sie diese eigentliche Aufgabe nur erfunden haben und dass der Weltmarkt etwas anderes ist als eine Veranstaltung zur Verteilung nützlicher Gütern unter den Völkern, kommen die Protestierenden nicht. Statt
den Mächtigen der Welt ihr Versagen vorzuwerfen, halten wir es für
nötig, sich einmal damit zu beschäftigen, was sie denn da machen. Was ist der
Inhalt ihrer Politik und was sind das eigentlich für Probleme, deren
Lösung sich die G8 verschrieben hat? Geht es da wirklich darum, den
Menschen auf der Welt ein angenehmeres Leben zu verschaffen? Was taugt
es, zu jedem „Problem” – von der Schuldenbetreuung bis zur Regulierung
der Finanzmärkte – die „bessere” Lösung zu präsentieren? Wie weit her
ist es überhaupt mit der beschworenen Gemeinsamkeit der führenden
Staaten? Vergessen die mal eben ihre Gegensätze, um beim Ausplündern
der armen Länder gemeinsam Front zu machen? Und woher beziehen sie
eigentlich die Legitimität, die ihnen ihre Gegner so einfach bestreiten?
1) Internetseite der Bundesregierung, www.g-8.de 2) alle Zitate dieses Absatzes von attac, www.attac.de zurück zur Übersicht Donnerstag, 3. Mai 2007, 18.30 Uhr, Raum 528 im Seminarinterim "Brühl", Am Brühl 34-50 Donnerstag, 26. April 2007, 18.30 Uhr, Raum 528 im Seminarinterim "Brühl", Am Brühl 34-50 Die erste politische Bilanz der Hartz IV-Reform: Der Staat ist das Opfer der „teuersten Sozialreform“!(?)
Warum die einmalige Ermittlung des Existenzminimums
nicht genügt und die Leute darüber immer ärmer werden.
Politik und demokratische Öffentlichkeit sichten die
Resultate der Hartz-Reformen und sind empört. Allerdings nicht etwa
über das neue Armutsniveau, das den vielen Arbeitslosen im Lande
verordnet wurde. Statt dessen wird der Staat als Betroffener und Opfer
der Reform ausgemacht, wie dem Gerede von der „teuersten Sozialreform
aller Zeiten“ zu entnehmen ist. Wo eigentlich Milliarden Euro gespart
werden sollten, „explodieren“ die Kosten. Das Ergebnis der
Ursachenforschung ist in diesem Standpunkt schon angelegt: wenn 2 Jahre
nach Einführung von Hartz IV immer noch massenhaft Leute darauf
angewiesen sind, dann ist das für Politiker der Beweis, dass diese
Leuten viel zu üppig durchgefüttert werden – sonst hätten sie ja längst
eine Stelle angenommen! Insofern gilt jeder Gebrauch der
Sozialleistungen immer schon als mindestens des Missbrauchs verdächtig.
Wenn sich Erwerbslose gezwungener Maßen mit 345 Euro monatlich
einrichten, soll das glatt beweisen, dass diese gar nicht für nur einen
etwas höheren Lohn arbeiten gehen würden. Wenn sie sich hingegen legal
ein paar Euro zum ALG 2 hinzuverdienen, liegt auch schon wieder ein
Ausnutzen vor. Um Niedrigstlöhne ein wenig aufzupeppen, dafür sollen
die Sozialleistungen dann nämlich auch wieder nicht gedacht sein. Die
im Juli 2006 beschlossenen Gegenmaßnahmen leisten da eine neue
drastische Klarstellung, wofür Hartz IV eigentlich gezahlt wird.
Wir wollen uns angesichts dieser Antwort der Politiker auf
die „großen sozialen Fragen der Gesellschaft“ mal ein paar
grundsätzliche Fragen stellen: Wie kommt überhaupt die Erwerbslosigkeit
zustande, welche der Sozialstaat betreut? Welchen Betreuungsbedarf
sieht der Staat daran und wie regelt er ihn? Was ist also der
Sozialstaat? Was hatte es mit den Hartz-Reformen auf sich? Welche
Wirkungen auf das Lohnniveau am Standort D hat die Reform? Und was ist
angesichts dessen von der angesprochenen Diskussion um ihre Reform zu
halten? Darüber wollen wir diskutieren. zurück zur Übersicht Donnerstag, 25. Januar 2007, 18.30 Uhr, Raum 01-35/36 im SeminargebäudeDie Konsequenzen aus dem
„PISA-Schock“:
Schulreform für den Standort Deutschland PISA
– das werteten Politiker und Öffentlichkeit als eine der größten
Blamagen für Deutschland im internationalen Wettbewerb. Dass die
Schüler aus dem Land der „Dichter und Denker“ im Ländervergleich auf
den hinteren Rängen landeten, das kann Deutschland nicht einfach so auf
sich sitzen lassen, wo es doch sonst überall „Spitze“ ist! Dabei
ist die höchstoffizielle Nachricht, dass ein Viertel aller Schüler kaum
schreiben, lesen und rechnen kann und ein weiteres Viertel nicht viel
mehr als dies, so neu auch wieder nicht. Zum Skandal wird sie deshalb
auch nur in einem ganz anderen Zusammenhang, nämlich bei der
politischen Begutachtung des Standorts Deutschland. Angesichts hoher
Arbeitslosenzahlen und schlechten Wirtschaftswachstums im Vergleich zu
anderen EU-Ländern schließen Bildungspolitiker ganz frei von ihrer
Unzufriedenheit mit dem ökonomischen Erfolg Deutschlands auf die
Unbrauchbarkeit des dafür doch vorgesehenen Volkes. Entsprechend
fällt ihr Bild vom Schulwesen des Landes aus, dem sie vorstehen.
Überall werden Schlendrian und Liederlichkeit bei Schülern und Lehrern
entdeckt! Werte und Tugenden wie Disziplin und Leistungswillen
erscheinen ihnen absolut unterentwickelt. Damit soll Schluss sein! Auch
wenn dieses Bild von der Schule gar nicht der Wirklichkeit entspricht,
steht es doch für einen harten Anspruch der Politik an ihre Lehrer und
Schüler. Die
Bildungspolitiker wollen eine Jugend, die mehr Leistung bringt als
bisher; dafür soll ihr „Leistungswille“ durch Lehrer und Schule
gefördert werden. Zugleich sollen die Schüler auf die berufliche Praxis
vorbereitet werden, d.h. für alle möglichen Anforderungen ihrer
zukünftigen Arbeitgeber zu Verfügung stehen können und außerdem sollen
die Schulversager und „potentiellen Risikokandidaten“ stärker
kontrolliert und diszipliniert werden. Die
Einführung nationaler Bildungsstandards, die Aneignung von
„Kompetenzen“ als Vorrang vor der Vermittlung von Wissen, die
Einrichtung von Ganztagsschulen und mehr Schulautonomie sind die
zentralen Punkte dieser Reform, die Deutschlands Jugend auf die Sprünge
helfen soll. An der Frage, ob die Schulreform wirklich erfolgreich die gewünschte Volksmasse für den Standort Deutschland liefert, wollen wir uns nicht beteiligen. Dagegen wollen wir uns klarmachen, was diese Maßnahmen für Schüler und Lehrer bedeuten, wie also Wissen und Wissensvermittlung in dieser Gesellschaft vorkommen. zurück zur Übersicht Donnerstag, 18.01.2007, 18.00 Uhr, Universitätsstraße 16, Raum 2-12 (Städtisches Kaufhaus, gegenüber dem Seminargebäude) Prof.
Dr. Freerk Huisken (Uni Bremen)
Vortrag mit Diskussion zum Thema:Der nächste Amoklauf kommt bestimmt –
Über
erwünschte und unerwünschte Behauptungsstrategien von
Konkurrenzverlierern
Erfurt
und Emsdetten, wie üblich lauter Einzelfälle von Einzeltätern, die
isolierte Einzelgänger waren. Schnell ist damit der Befund fertig: Das
waren Taten von verwirrten Jugendlichen, die nach ausgiebiger
Versenkung in „Killerspiele“ Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr
auseinanderhalten konnten. Um durchgeknallte Waffennarren muss es sich
gehandelt haben, die nach dem Muster verfuhren, dass die Gelegenheit
Diebe schafft. Dass keiner der Jugendlichen einfach wild ums sich
geballert, sondern sich beide gezielt in die Schule begeben haben, muss
dann wohl als Zufall verbucht werden. Dass beide ihre ganz persönlichen
Erfahrungen mit der Schule gemacht haben, dass sie zu den
Schulkonkurrenzverlierern gehörten – der eine ist vor dem Abi gefeuert
worden, der andere hat es nur bis zur Realschule geschafft und durfte
sich später in einem Minijob beim Baumarkt einrichten –, soll man
getrost vergessen können. Verwirrt ist eben verwirrt.
Allerdings handelt es dann wohl um eine ziemlich verbreitete Form von „Verwirrung“. Denn aus Niederlagen, den verrückten Schluss zu ziehen, nicht etwa den eigenen Schaden zu korrigieren, sondern sich an Schädigern virtuell oder real zu rächen, ist ziemlich verbreitet. Ebenso verbreitet wie die Unsitte, an jeder Konkurrenzniederlage nicht den materiellen Nachteil, sondern den Angriff aufs Selbstbewusstsein festzuhalten. Im erlernten psychologischen Umgang mit Beschädigungen aller Art, die Schule und Arbeitswelt bereithalten, waren diese beiden Amokläufer ebenso geübt wie ihre nun fürchterlich betroffenen Zeitgenossen. Nur haben sie es nicht dabei belassen, im Privatleben mit Angebereien aller Art das Selbstbewusstsein aufzupolieren, haben sich nicht dem Alkohol oder Drogen hingegeben, haben auch Rache nicht nur angedroht, sondern beschlossen, es „allen zu zeigen“. Und genau das haben sie dann in der brutalsten aller Formen in die Tat umgesetzt: Denen, die in der Schule ihr Schicksal als Verlierer besiegelt hatten, wollten sie zeigen, dass sie Siegertypen sind. Als Herren über Leib und Leben haben sie sich inszeniert und damit den neuen und einzigen Sinn ihres Lebens erfüllt. Verrückt, in der Tat! Aber exakt so verrückt, wie sie es in dieser Gesellschaft gelernt haben. „Ich bin wertvoll!“, sollen sich doch bereits Kinder vorbuchstabieren, wenn sie wieder einmal eine Fünf, einen Eintrag oder Prügel kassiert haben! zurück zur Übersicht Donnerstag, 14. Dezember 2006, 18.30 Uhr, Raum 01-35/36 im SeminargebäudeGesundheitswesen und Gesundheitsreform
Gesundheitsreformen
gibt es schon fast so lange, wie es ein Gesundheitswesen gibt – beides
scheint immer zusammen zu gehören. Reformiert werden muss natürlich
nicht die Gesundheit. Am Gesundheitswesen stört ständig, dass es zuviel
kostet. Krankheit ist demnach nicht einfach ein Problem der kranken
Leute, die ja schon genug Sorgen mit dem Gesundwerden haben. Nein – die
werden umgekehrt zum Problem der Gesellschaft erklärt, weil sie so viel
kosten. Bei jeder Behandlung stellt sich die Frage: wieviel darf sie
kosten? Da wird Gesundheit offenbar zu einer ziemlich relativen Sache.
Wieso
ist „Gesundheit”, dieses so wertvolle Gut, eigentlich zu teuer für die
Gesellschaft? Was heißt denn „zu teuer“? Die Antwort kennt jeder: die
Krankenkassenbeiträge gehören zu den sogenannten Lohnnebenkosten. Und
das sind nach dem gültigen gesellschaftlichen Standpunkt Kosten, mit
denen die Arbeitgeber jedenfalls so wenig wie möglich belastet werden
dürfen, weil sie ein einziges „Beschäftigungshindernis“ darstellen.
Andererseits gibt es die, die mit Gesundheit und Krankheit ihr Geschäft
machen, also Pharmaindustrie, Medizintechnik, Apotheker, Ärzte,
Krankenhäuser. Für deren Gewinnansprüche fallen die Beiträge immer zu
gering aus. Da streiten sich zwei in dieser Gesellschaft anerkannte
Interessen ums Geld – wie kommen da eigentlich die lohnabhängigen
Beitragszahler und Patienten vor?
Gesundheit,
das ist für jeden das höchste Gut, welches es zu erhalten gilt. „Vor
allem Gesundheit“ wünscht man sich an Geburtstagen und jeder weiß, dass
man sich gesund erhalten muss und dafür einiges zu tun ist.
Offensichtlich wird Gesundheit unbedingt gebraucht und zugleich ständig
angegriffen. Dabei ist durch den immensen Fortschritt in Sachen Wissen
die Gefahr vieler früherer Krankheiten hierzulande gebannt, dafür gibt
es um so mehr die berühmten Zivilisationskrankheiten. Was ist das für
eine Gesellschaft, die krank macht?
zurück zur Übersicht Donnerstag, 30. November 2006, 18.30 Uhr, Raum 01-35/36 im SeminargebäudeDie Bundeswehr als Wahlhelfer im Kongo
Die
demokratische Republik Kongo ist reich an Diamanten, Kupfer, Kobalt,
Gold, seltenen Erden, Edelhölzern. Im Land beträgt die Lebenserwartung
rund 45 Jahre, die Säuglings- und Kindersterblichkeit rund 30%, die
Analphabetenrate rund 30%.
Das bewaffnete Engagement der
Europäer in dieser Weltgegend wirft für uns einige Fragen auf:Am 30. Juli diesen Jahres fanden im Kongo die ersten freien Wahlen seit mehr als vier Jahrzehnten statt. Sie sollten, so die hiesigen Stimmen aus Politik und Presse, Frieden und Stabilität im Land herstellen. Allerdings war auch klar, dass ohne ausländische militärische Überwachung diese Wahlen gar nicht stattfinden können. Offenbar hatten sich die konkurrierenden politischen Parteien im Kongo die Wahlen weder bestellt noch waren sie willig, sich schiedlich friedlich dem Wählerwillen zu beugen. Gerade wegen der Wahlen wurden neue Gewaltausbrüche erwartet. Davon unbeeindruckt bestand die EU auf der Durchführung und entsandte zusätzlich zur bereits stationierten UN-Truppe ein weiteres Kontingent Soldaten unter deutscher Führung.
zurück zur Übersicht Donnerstag, 16. November 2006, 18.30 Uhr, Raum 01-35/36 im SeminargebäudeProf.
Dr. Margaret Wirth (Uni Bremen)
Vortrag mit Diskussion zum Thema:Was will Deutschland, was will Europa auf
dem Kriegsschauplatz Naher Osten?
“Europa wird künftig – davon bin ich
überzeugt – ein Faktor für Frieden, auch im Nahen Osten. Das ist die
eigentliche Nachricht; das ist der eigentliche Einschnitt, den wir uns
bewusst machen müssen... Mit diesem Einsatz betreten wir politisches
Neuland.” (Bundesaußenminister Steinmeier im Bundestag)
Deutschland schickt die Marine vor die libanesische Küste. Politiker aller Couleur feiern dies als “historische Stunde”; als bedeutenden Schritt in dem deutsch-europäischen Projekt, maßgeblichen Einfluss auf die Geschicke der Welt zu nehmen, nun auch in Nahost. Worum geht´s bei diesem Einsatz? Was ist das viel beschworene “Historische” daran, sprich: Wozu sieht sich der deutsche Politik jetzt, nach dem vorläufigen Ende des Waffengangs im Libanon, willens und in der Lage? Warum wollen – nach eigenem Bekunden sogar: müssen – “die Deutschen” unbedingt dieser UNO-Mission mit ihrem Militär zur Durchsetzung verhelfen? Was ist daraus zu lernen – über die Gesichtspunkte, nach denen Staatsmänner über Krieg und Frieden befinden, über die Berechnungen, die sie in dieser Hinsicht anstellen, über die Ziele, die sie verfolgen, wenn sie die nationalen Truppen losschicken? Also über das weltpolitische Kalkül einer Macht wie Deutschland, die unbedingt ein “Faktor für Frieden” sein will und die Umsetzung dieses Interesses sich und ihr Volk Einiges kosten lässt. Deutsche Politiker haben ihr Volk reichlich aufgeklärt über ihre Gründe, die es aus ihrer Sicht zwingend nötig machen, die deutsche Marine mit einem “robusten Mandat” vor die libanesische Küste zu schicken. Mit diesen offiziellen Gründen will sich der Vortrag auseinandersetzen. Ebenso wird erläutert, wie die Kriegs- und Krisenlage in Nahost konkret aussieht, die den deutsch-europäischen Militäreinsatz so zwingend erfordert und was die deutschen Truppen eigentlich zu tun bekommen, wenn sie das UN-Mandat vollstrecken.zurück zur Übersicht Donnerstag, 2. November 2006, 18.30 Uhr, Raum 01-35/36 im SeminargebäudeArmut als Ordnungsproblem:
Die Diskussion über die „Unterschicht“
Der
zynische Blick der Politik auf die Armut und was sie daran als Problem
entdeckt.
Dienstag, 17. Oktober 2006, 18.30 Uhr, Raum 00-31/32 im Seminargebäude
Das 34-Tage-Gemetzel im Libanon:
Israels Existenzgründung kommt voran
Das
israelische Recht auf Sicherung seiner Existenz ist ein wertvolles
Gut - der Kurswert vom Sommer d.J. betrug ca. 1000 Tote und 1
Million Flüchtlinge. Worin besteht eigentlich diese "Existenz", die da
so überaus offensiv gesichert wird? Die
moralische Absolution erteilt sich der Staat Israel mit
Verweis auf die Massenvernichtung der europäischen Juden durch
Deutschland. Aber woraus bezieht er das wirkliche, weltpolitisch
wirksame Recht für den ziemlich ausdauernden und ausgreifenden
Gebrauch seiner Gewalt gegen den Terrorismus seiner Gegner? In der Wucht ihrer hochtrabenden Rechtfertigungen für ihre Militanz können es die arabischen Gegner mit Israel locker aufnehmen. Mal davon abgesehen und auch davon, dass sie hinterher immer verlieren: Was ist der politische Gehalt der "arabischen" resp. "palästinensischen" resp. "libanesischen" "Sache"? Die
amerikanische Außenministerin hat den Waffengang ohne Beschönigung der
Folgen für die Opfer sogleich als die schmerzhaften "Geburtswehen eines
neuen Nahen Ostens" erkannt: Was zeichnet diesen "neuen" Nahen Osten,
wenn es nach C. Rice geht, aus? Und wer oder was hat sie eigentlich am
"alten" Nahen Osten so gestört? (Nicht
nur) Joschka Fischer ist sich sicher: "Der Krieg eröffnet eine Chance
für den Frieden, die nicht vertan werden sollte." Und deshalb müssen
"wir" bei diesem Frieden auch gleich mit 1500 Mann Marine und "robustem
Mandat" mitmachen. Welche Chance genau sieht Fischer da? Und für wen
eigentlich?
Donnerstag, 06. Juli 2006, 18.30 Uhr, Raum 2-41/42 im SeminargebäudeFahnenschwenken zur Fußball-WM: von wegen unschuldige
Sportbegeisterung!
Warum es ein Fehler ist, seiner Nation anzuhängen
Es
ist unübersehbar: Nationalflaggen an den Autos, Menschen bemalen sich
die Gesichter schwarz-rot-gold und schwenken Fahnen - die
Weltmeisterschaft wird als Gelegenheit wahrgenommen, das offensichtlich
überwältigende Bedürfnis auszuleben, sich zu seiner Nation zu bekennen;
zu zeigen, dass man zu ihr dazugehört und daß man auf sie stolz ist.
Ganz egal, wie man in dieser Nation zurechtkommt; ganz getrennt davon,
dass deutsche Bürger in ihrem Alltag sehr viel aneinander auszusetzen
haben und oft genug den je anderen als Hindernis für das eigene
Vorankommen betrachten und behandeln; völlig entfernt von dem sonst
üblichen staatsbürgerlichen Gemecker, mit dem deutsche Bürger sonst
über "Mißwirtschaft" und "Unfähigkeit" deutscher Politiker und
Wirtschaftsführer herziehen - die Begeisterung verleiht Flügel,
sie besteht darin und sie befähigt dazu, von all dem zu
abstrahieren.
Ganz von selbst ist die "schwarz-rot-geile" Party allerdings nicht in Schwung gekommen. Die Organisation einer Weltmeisterschaft, einschließlich Fanmeilen und Großbildschirmen und eines - offenbar notwendigen - Großaufgebots an Polizei ist das Werk staatlicher Stellen. Und es bedarf einer Öffentlichkeit - die Bild-Zeitung ist mal wieder Vorbild für alle - , die die Begeisterung vorbereitete, sie lobt und immer weiter anheizt. Politik und öffentliche Meinung sind mit dem Resultat ihrer aufwändigen Bemühungen hochzufrieden. Bundespräsident Köhler freut sich, "dass sich das Land weiter normalisiert, dass man jetzt unverkrampfter auf seine eigene Nationalfahne zeigt und sich mit ihr schmückt." Und Bundeskanzlerin Merkel kennt die passende Verwendung für das nationale Hochgefühl: "Wenn ich sehe, welches Potenzial an Fröhlichkeit, an Begeisterung in diesem Land steckt, ... dann wird mir nicht bange, dass dieses Land auch die Herausforderungen meistert, vor denen wir insgesamt stehen." Spätestens hier sollte sich der feiernde Fan einmal fragen, ob er sich da nicht auf ein sehr teures Vergnügen einlässt. Vielleicht handelt es sich ja um ein klassisches Eigentor.zurück zur Übersicht Mittwoch, 21. Juni 2006, 18.30 Uhr,
Felix-Klein-Hörsaal (Raum 4-24 im Hauptgebäude der Uni am Augustusplatz)
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